Who wants to live forever

Für einen ersten Post sollte man vermutlich ein fröhliches Thema wählen, aber dieser Queen-Song hat mich schon immer fasziniert.

Heute war die Lancierung des iPad2. Ein Gadget, das wohl seinen Initiator überleben wird: Steve Jobs. Sein Zustand brachte ein Wirtschaftsmagazin dazu, eine Rede von ihm aus dem Jahr 2005 zu zitieren. Das besondere an der Rede: Jobs spricht darin von der eigenen Sterblichkeit. Und die Sterblichkeit ist in Zeiten von Web 2.0 eigentlich schwerer zu akzeptieren als jemals zuvor. Warum das? Das Internet vergisst nie. Wer schon einmal http://web.archive.org ausprobiert hat, wird sich sehr darüber wundern, was das Internet alles über einen Preis gibt. Aber auch die Kommentare, Bilder, Einträge und Emails via Facebook, Twitter etc. sind praktisch unauslöschlich im Netz. Schaffen wir uns damit eine virtuelle Existenz bis in alle Ewigkeit? Und wenn ja, wer will das?

Mag sein, dass man mit 30 langsam an einen Punkt kommt, an dem einem die eigene Sterblichkeit wieder vor Augen geführt wird. Warum sonst haben wir ein solch dringendes Bedürfnis, der Welt unsere Stempel aufzudrücken? Mit Diensten wie „about.me“ oder „dailybooth“ aber auch „facebook“ und „twitter“ versuchen wir tagtäglich zu sagen: ich bin da, hört mich, lest mich, seht mich. Wir optimieren unser Image auf Facebook, starten Blogs (wie diesen hier) oder eigene Profilseiten unter LinkedIn und Xing, gründen Arbeitsgruppen, machen mit bei Jede Rappe zählt und doch, irgendwann sind wir weg.

Oder doch nicht? Wenn wir sterben, hinterlassen wir inzwischen auch ein Daten-Erbe aus Profilen und Accounts. Löschen, sortieren, erhalten? Warum diese Frage nicht ganz unsinnig ist, soll ein Beispiel zeigen: Facebook erinnert mich nämlich ständig daran, dass ich mich mal wieder bei C. melden sollte. Dabei ist er schon seit einem Jahr tot. Trotzdem werden wir, also C.’s Freunde regelmässig aufgefordert, etwas auf die Pinnwand zu schreiben. Da er sehr beliebt war, sind es über 200 (der durchschnittliche Facebook User hat 180). Und gemäss Statistik sterben neben C. jedes Jahr weitere 375.000 Facebook-User, ihre Profile jedoch nicht unbedingt. In einem Artikel in der NZZaSo von Martin Helg (20.2.2011) wird eine Studie von IBM zitiert: Jeden Tag werden 12 Millionen Gigabyte an Mails, dokumenten, Audio, Foto- und Videodateien irgendwo gespeichert. Das ist, ausgedruckt und gestapelt, ein Bücherturm von der Sonne zum Pluto. Wer hat hier noch den Überblick?

Seit 2009 und 2010 sind neuerdings sogenannte Netzfriedhöfe wie www.stayalive.com,www.strassederbesten.de und www.1000memories.com online, bei dem nicht nur Hinterbliebene ein virtuelles Grab für Verstorbene buchen können, sondern sich jeder schon zu Lebzeiten eine letzte Ruhestätte im Netz sichern kann. Wer denkt dabei nicht an den Film mit Bruce Willis und den Satz: I can see dead people…

Kommen wir zurück auf Steve Job’s Rede. Er sagt, sterben gehört zum Leben dazu, erst durch den Tod lohnt sich das Leben: „Your time is limited, so don’t waste it living someone else’s life. Don’t be trapped by dogma — which is living with the results of other people’s thinking. Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice. And most important, have the courage to follow your heart and intuition. They somehow already know what you truly want to become. Everything else is secondary.“

Was will uns Jobs damit sagen? Er hat sein Erbe bereits ausgebreitet und wird erinnert und er hat neben einem Pressebüro bestimmt auch ein paar Leute in seinem Stab, die sich um die „Netz-Identität“ von ihm kümmern. Aber wie ist es mit Dir? Was ist, wenn morgen der Tag kommt, an dem der Bus oder das Tram schneller war? Wie wirst Du erinnert werden, so wie Du warst, oder so wie Du gerne gewesen wärst oder so, wie das Netz es allen nach Dir erzählen wird? Wenn Du alles, was Du postest in Stein meiseln würdest, was wäre Dir wichtig? Und würde Dein Leben auf eine Tafel passen?

Freue mich über Eure Kommentare und Feedbacks.

Rede von Steve Jobs:  

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Quellen: http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/ewiges_leben_20_1.9607425.htmlhttp://www.npr.org/2011/01/10/132617124/after-death-protecting-your-digital-afterlifehttp://news.stanford.edu/news/2005/june15/jobs-061505.html,

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