Freiwillig engagiert

Vielleicht hat es der eine oder andere bereits gehört: das Jahr 2011 ist das Jahr der Freiwilligen (es ist auch das Jahr des Baumes, das Jahr der Chemie und das chinesische Jahr des Hasens). Auch ich bin freiwillig engagiert, in mehreren Vereinen, was eigentlich ökonomischer Unsinn ist, aber dazu später.

Die Einleitung gehört heute aber dem grossen Berner Troubarden Manni Matter: 

Was bringt Menschen dazu sich freiwillig zu engagieren? In einem sogenannten Ehrenamt, oder nur als Helfer. Gemäss Wikipedie hängt „der Stellenwert des Ehrenamts in einem Land (..) von mehreren Faktoren ab, wie Geschichte, Tradition und Stand des öffentlichen Sozialsystems. Ein Beispiel für eine hohe ehrenamtliche Beteiligung der Bevölkerung sind die USA. Die ersten Siedler waren sehr auf gegenseitige private Hilfe angewiesen. Die vorherrschenden Religionen in den USA bieten selten die Wohltätigkeit von Klöstern oder sonstigen religiösen Einrichtungen an. Die Demokratie ist schon relativ alt und das öffentliche Sozialsystem anders als in Europa entwickelt.“ Was aber motiviert einem wirklich, sich 2 bis 10 Stunden pro Woche für einen Verein oder eine Organisation zu engagieren und das freiwillig? Gemäss Studien sind es vor allem fünf Dinge:

  1. Werte teilen und weiterverbreiten (z. B. „ich kann etwas zu einer Sache beitragen, die mir wichtig ist“)
  2. Selbsterfahrung (z. B. „durch das Ehrenamt lerne ich viel und kann praktische Erfahrung sammeln“)
  3. Ablenkung (z. B. „das Ehrenamt bietet die Möglichkeit, meinen eigenen Problemen zu entkommen“)
  4. Selbstwert (z. B. „durch das Ehrenamt fühle ich mich wertvoll“)
  5. Karriere (z.B. „durch das Ehrenamt lerne ich interessante Kontakte aber auch Fähigkeiten neben der Arbeit kennen“)

Wer mehr als 2 von diesen Punkten in seiner maslovschen Pyramide erfüllt haben möchte, sollte sich einem Verein anschliessen. Ob Schiedsrichter, Samariter, Jugendarbeiter oder Hobby-Musiker spielt keine Rolle, denn Geld gibt es ohnehin nicht, aber Anerkennung (dass du das kannst), Lob (wie schaffst du das nur), Staunen (ich könnte das nicht) und viele schöne Geschichten und Erlebnisse. Ein Verein bildet den Charakter und man lernt anzupacken, mitzudenken und mitzuwirken. Eigenschaften die in jeder Firma, Beziehung oder Freundschaft gern gesehen sind. Nur etwas gibt es nicht: absolute Selbstverwirklichung. Denn irgendwann stösst man an seine eigenen Grenzen: sei es familiär (ich brauche mehr Zeit für meine Familie), beruflich (ich muss heute länger bleiben) oder persönlich (der Aufwand ist mir zu gross).

In den letzten Jahren kam darum immer mehr der Wunsch auf, Strukturen und Abläufe in Organisationen und Vereinen zu „professionalisieren“, in der heren Absicht, dem eigentlichen Mitglied einen „besseren Dienst“ zu erweisen, sprich zu entlasten. Diese Professionalisierung, bei Sport-, Freizeit- und Kulturvereinen, aber auch in Parteien (ich bin in mehreren davon Mitglied und aktiv) führt aber auch zu mehr Kommunikations-, Dokumentations- und Integrationsaufwand. Das hat mitunter zur Folge, dass viele im Ehrenamt mehrheitlich an Sitzungen sind, Berichte schreiben, ihre Arbeit rechtfertigen oder kontrollieren und kontrollieren lassen. Aber jemanden zu finden, der freiwillig die Freiwilligen überwacht ist wohl unmöglich, weshalb es erst ein Sekretariat, dann ein Büro und am Ende einen Stab mit Angestellten braucht. Nur stellt sich hier die Frage der Notwendigkeit und Nützlichkeit und letzten Endes ist es wohl auch eine Kostenfrage. Eigentlich ironisch, wenn man bedenkt, dass freiwillig Engagierte von beruflichen Strukturen und Formen profitieren sollen, denn sind nicht die Freiwilligen die wirkliche Struktur und wäre es nicht sinnvoller, die Arbeit auf mehrere, freiwillige Schultern zu verlagen? Sollte freiwilliges Engagement gar zum Schulfach werden? Was denkt Ihr?

Freue mich wie immer über Feedback und Kommentare.

PS: Übrigens, bevor sich jemand entscheidet sich freiwillig zu engagieren und die Frage nach dem Geld doch eine Rolle spielt, hier eine Entscheidungshilfe zu „Sollte ich kostenlos arbeiten?“ Interessantes Entscheidungsdiagramm

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