Was kommt nach Facebook

Vor kurzem hatte ich einige interessante Gespräche, mit Freunden, Geschäftspartnern und auch Fremden. Das Thema: was steckt hinter dem Run auf Facebook, deindeal, Clubshopping, Twitter und Foursquare und so weiter und was ist der nächste große Ding nach Facebook? Dieser Beitrag wird die erste zu diesem Thema formulierte These werden. Obwohl schon oft diskutiert wage ich es hier einmal etwas niederzuschreiben.

Ich möchte etwas vorausschicken: Ich glaube nicht, dass Facebook bald vorbei sein wird. Ich gebe dem „Sozialen Netzwerk“ in seiner jetzigen Strutktur noch etwas zwischen 3 bis 5 Jahre, wobei die Mitgliederaltersstruktur leicht nach oben korrigiert werden wird (in Richtung einer älteren, 40 + Generation), was in der Tat nicht so schlecht ist, weil dort das Geld zu finden wäre, sollte aus Facebook wirklich mal eine Firma werden und nicht nur ein Hype. Allerdings wird Facebook selbst nicht das nächste grosse Ding lancieren, ebensowenig wie Google oder Microsoft, denn dazu sind alle wohl noch etwas zu gross. Aber es wird eine Softwarefirma geben, welche die drei grossen Dinge verbindet: Social Network, lokale Aspekte, unmittelbarer Nutzen für den User – kombiniert und erlebbar auf einem handlichen Gerät. Der nächste Entwicklungsschritt in Sachen „Internet“ wird unter dem Dach von „sozialen Erfahrungen“ abgedeckt werden, getragen von einem „lokalen Netz“, welches sich allerdings in der Cloud und nicht in einer Applikation befindet.

Das nächste grosse „Ding“ wird soziale Netzwerke, lokale Positionierungsdienste und „Schnäppchen“ (auch als „Deal“ genannt) auf einem handlichen Gerät in der „Cloud“ vereinen.

Was ist das „Lokale Netz“

Was steckt hinter dem „lokalen Netz“ genau? Im Grunde genommen ist es eine Kombination von gestarteten, jedoch noch nicht so breit etablierten Services, die wir jetzt bereits sehen: „Foursquare“, „Gowalla“ und „Facebook Places“ und die Tatsache, dass Menschen dazu tendieren der ganzen Welt mitzuteilen was sie tun und mit wem. Wenn wir also diese Tatsache mit einem anderen Trend kombinieren, der Schnäppchen-Jagd, könnte das sogar zu einem Businessmodell werden. Wie wird das aussehen? Nehmen wir an, Michael und Sara, zwei Freunde aus Zürich gehen einkaufen an einem Samstag Nachmittag. Sobald sie beim kürzlich eröffneten LEVIS Geschäft vorbeigehen, erhalten sie (vielleicht via Facebook) eine Nachricht, dass ein personalisiertes Angebot für Sie im Laden bereit liegt, wenn Sie heute Nachmittag „einchecken“. Wieso das? Michael ist ein Fan von LEVIS auf Facebook, Sara ist interessiert an Mode und beide haben das „Geo-Lokalisierung“ Plugin auf ihren Smartphones aktiviert. Also zurück zur Aktion: beide überprüfen diese Meldung und kommen zum Schluss, dass es eine gute Idee wäre, einmal reinzuschauen. Gleichzeitig laden sie aber noch ein paar Feunde ein, um die Rabatte noch zu erhöhen (oder um beim Wettbewerb die Reise nach San Francisco gewinnen zu können – Marketeers dieser Welt seid kreativ!). Die Anwendung dazu, welche mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Webanwendung in der sog. Cloud sein wird, statt eine teure Smartphone Application, ist im Grunde nichts anderes als die gute alte Verhandlungsmacht auf einem Basar, wenn ich mit meiner ganzen Sippe rumlaufen würde – mit der Ausnahme, dass meine Sippe derzeit im Starbucks um die Ecke sitzt. Alles wird sich auf das lokale und momentane Erlebnis fokussieren – aber dabei lassen wir die ganze Welt online teilhaben.

Social Experience – lokal agieren, global kommunizieren

Michael und Sara, unsere beiden Protagonisten dieses Artikels haben ein gutes Angebot wahrgenommen – und in der gleichen Zeit ihre Einkäufe online gestellt. Denn diese Aktion alleine würde nichts bringen, wäre der Gesellschafts- und Mitteilungsdrang der Kunden nicht da. Bilder, Schlüsselwörter, Tags und Freunden ergeben hierbei eine interessante Mischung innerhalb eines persönlichen Erlebnisses.

Was hat nun der Titel und der Untertitel mit dem lokalen Netz damit zu tun? Ganz einfach: die Zusammenführung von lokaler Informationen mit dem „me-net“. Während die „Cloud“ die gesamte Infrastruktur im Netz verteilen wird, werden wir in unseren Händen mit unseren Smartphones den Zugang zu einem schier unlimitierten Netz unserer Umgebung erhalten. Wenn wir es aus einer sozio-ökonomischen Perspektive betrachten, sind diese neuen Werkzeuge und Plattformen nichts anderes als der gute alte Schulhof, wo wir uns einst mit unserer Clique versammelten. Neu können wir uns innerhalb von ganzen Städten und Arealen bewegen und während wir in Bewegung sind, hinterlassen wir Spuren von Informationen – für uns und für andere sichtbar, innerhalb des „Lokalen Netzes“.

Das „Lokale Netz“ (the local grid) ist nichts anderes als unsere Spur von Daten, unser Profil, unsere Vorlieben, Attribute und Kauf-Historien, zusammengeführt und angereichert durch weitere Daten, um unser Leben noch einfacher und noch transparenter zu machen.

Während wir uns in der realen Welt bewegen, werden wir auch den Austausch mit dem „Netz“ fördern. Unsere Geräte werden jede Interaktion mit der realen Welt in unser Online-Profil kommunizieren, wodurch wir ein noch besseres Bild zu unseren Kauf- und Interessenswünschen generieren. Mehr noch: da Daten nicht mit einem lokalen Ort gebunden sein müssen, können wir mut unserem Profil auch an anderen Orten davon Gebrauch machen. Sei es in New York, London oder Marrakesch.

Was bedeutet dies für Unternehmen?

Im Grunde ist das „Lokale Netz“ der Traum eines jeden Marketingleiters. Da die Menschen ihre Skepsis gegenüber dem Internet und gemeinsam genutzter Daten langsam ablegen (sicher wird es auch Menschen zu schützen und zu verhindern, dass Daten-Sharing, was gut ist, aber es wird auch langsamer, nie stoppen), werden Unternehmen noch mehr über ihre Kunden erfahren und das in Echtzeit. Sie können auch neue Funktionen nutzen wie Trending (was über jetzt auf den Strassen gesprochen, was ist „hot or not“ zwischen Freunden), sie können sehen wie sich die Märkte entwickeln, zuhören und reagieren. Es bedeutet auch, dass die Unternehmen bereit sein müssen, Lieferanten enger enzubeziehen, allenfalls Personal kurzfristig beantragen, sollte ein Deal sich sehr gut entwickeln und sie müssen die Art, wie sie kommunzieren markant verbessern. So können Marketingaktionen nur noch teilweise im Voraus geplant werden. Eine Chance für „hier und jetzt“ und es wird sogar noch wichtiger sein, Kunden gut zu behandeln. Denn Kunden werden ihre Freunde und Bekannte nicht erst in ein paar Tagen vom tollen Geschäft erzählen und sie allenfalls vorbei bringen, sondern jetzt.

Kommentare

Was sind Eure Gedanken dazu? Alles schon passé? Ich freue mich über Feedbacks jeder Art. Nebenbei: Während ich dies schreibe hat Groupon NOW  bereits etwas ähnliches lanciert in den USA – fragt sich nur noch, wann es mit „Places und Check-Ins“ verbunden wird.

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Ein Gedanke zu “Was kommt nach Facebook

  1. Unternehmenstechnisch ist das natürlich der Traum, aber die Schattenseite bei dieser ganzen „Geomarketing -Sache“ ist der Big Brother Aspekt. Und das ist dann eher ein Alptraum… Da verblasst selbst Orwells Szenario 1984 im Vergleich mit den Möglichkeiten im 2011 und der folgenden Jahre.
    Oder anders gefragt: Wie und wozu wird „ein Gaddaffe“ diese Technologie-Trends be-nutzen?

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