Irgendwo ist immer Konjunktur

Ich bin etwas verärgert momentan. Schuld daran ist das Radio und die vielen Tageszeitungen, welche negative Meldungen zur Schweizer Wirtschaft verbreiten (http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/schlechte-prognosen-fuer-schweizer-konjunktur und http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/schweizer-konsumstimmung-weiter-im-keller). Zitat „Die Schweizer Wirtschaft geht düsteren Zeiten entgegen“. Umfragen der KOF und des SECO zeigt auf, dass sich die Geschäftslage in praktisch allen Wirtschaftszweigen markant verschlechtert und die Konsumentenstimmung sinkt. Eventuell wollen gewisse PR Büros die Stimmung aufheizen, um eine Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber des Euros zu rechtfertigen. Ich könnte hier noch lange darüber argumentieren, ob es anundfürsich sinnvoll ist, eine Wirtschaft gegenüber einer anderen zu schwächen, denn sind wir ehrlich: Italien, Griechenland, bald Spanien und viele kleinere, Osteuropäische Staaten im Euroraum sind pleite. Die Volkswirtschaft und mit ihr die Staaten wohlgemerkt, einigen Betrieben geht es sogar sehr gut. Aber das soll nicht das Thema sein. Worauf ich hinaus will ist die Kurzfristigkeit. Ein Freund von mir meinte einst: „Oberflächlichkeit macht Kurzlebigkeit erst möglich.“ Was die Sache ziemlich auf den Kopf trifft. Momentan geistern nämlich Zahlen umher, dass die Schweizer Wirtschaft abkühle. Worauf dies zurückzuführen ist? Stimmungsbarometer im Konsumentenverhalten, Bestellungen für 2012, qualitative Umfragen. Dass die Menschen und Firmen derzeit eher konservativ und vorsichtig sind kann ich nachvollziehen. Schliesslich hört man ja nichts mehr anderes seit Wochen und Monaten ausser: Krise, Konjunkturabschwächung, Staatsbankrotte. Ich sage es offen: von solchen negativen Studien halte ich nichts. Ich bin für wahr nicht blauäugig oder naiv, aber solche „Krisen“ sind eigentliche Chancen. Für uns Unternehmer also eine tolle Chance – wir sind ja nicht Unterlasser sondern: UNTERNEHMER!

Darum möchte ich hier einmal eine Lanze brechen für etwas positive Stimmung im Rahmen des Unternehmertums. Fürall die kleineren und grösseren Unternehmen hierzulande und im nahen Ausland, welche innovativ und anpassungsfähig sind. Schon Darwin meinte: „its about the survival of the fittest“ – übrigens nicht „die Stärksten“ überleben, sondern diejenigen, welche sich am besten anpassen können. Also hier ein paar Stimmungen, die hoffentlich ein paar Unternehmer und Investoren umstimmt und zeigt: wir sind doch gar nicht so arm dran wie die Grossbanken und Staatsphilosophen und Protektoren uns weiss machen wollen. Beweise? Sehr gerne!

1. Die Schweiz belegt beim sogenannten Innovationsindikator 2011 mit grossem Abstand Platz eins. (http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/schweiz/die-schweiz-ist-die-innovativste-industrienation), am 13. Oktober schrieb die Handelszeitung: „Keiner ist innovativer: Die Schweiz steht im Ranking des «Innovationsindikators 2011» mit einem Indexwert von 76 an der Spitze. Es folgen Singapur (63), Schweden (61) und Deutschland (57).“ Untersucht hatten Ökonomen die Innovationsfähigkeit von 26 Volkswirtschaften. Herausgegeben wird der Innovationsindikator von der Deutsche-Telekom-Stiftung und dem Bundesverband der Deutschen Industrie. Erarbeitet hat ihn ein Konsortium von Instituten. Dazu gehören das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und das Maastricht Economic and Social Research Institute on Innovation and Technology der Universität Maastricht, also nicht irgendein Beratungsunternehmen, sondern namhafte Institute.

2. Es gibt sie: Die hundert besten Jungunternehmen der Schweiz (eigentlich sind es noch mehr, aber schon diese Liste ist beeindruckend): Text (http://www.startup.ch/#1). Ich durfte persönlich am Event der SECA teilnehmen, an welcher die Preisverleihung und Podiumsdiskussion stattfand und war beeindruckt: von IT, Umwelt- bis zu Biotechnologie, aber auch Dienstleistungen, alles war vorhanden. Es glänzte ein kleiner Schimmer von Google (paper.li), von Logitech (dacuda), Tripadvisor (getYourGuide) und Greentech (greenTEG) im Raum. Hier findet sich die ganze Liste: http://www.startup.ch/index.cfm?CFID=114723723&CFTOKEN=33668020&page=127532&profilesentry=1. Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass http://www.startups.ch diese Plattform auch für die Eigenwerbung nutzen, aber das dürfen sie meiner Meinung nach auch. Was noch fehlt ist die Integration von diesen tollen Ideen in die Realwirtschaft – Kooperationen mit bestehenden, etablierten Unternehmen täten gut, aber ich bin mir sicher, wir werden bald mehr von den Top100 lesen.

3. Viele Ideen und kein Kapital? Ausreden gibts nicht mehr: noch CHF 98 Mio liegen beim KTI bereit für innovative Konzepte, etablierte wie auch Start-Ups (auch erst mit Businessplan) sind angesprochen, was mich persönlich sehr freut. (http://www.kti.admin.ch/aktuell/00021/00150/00151/index.html?lang=de). Klara Sekanina, Direktorin der KTI, hat die klare Ambition: „Mit den 100 Millionen Franken wollen wir qualitativ hochstehende Innovationsprojekte fördern, die bereits kurz- und mittelfristig einen spürbaren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft leisten.“ In der ersten Woche wurden bereits rund 80 Gesuche für rund 50 Millionen Franken eingereicht. Wie auch bei den ordentlichen Programmen kommen rund 80 Prozent der Projekte von KMU. Philippe-Emmanuel Grize, COO spricht mir aus der Seele wenn er sagt: «Wir müssen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten langfristig denken. Deswegen führen wir
derzeit drei Entwicklungsprojekte durch. Ohne die KTI, die alle drei Projekte unterstützt, wäre dies nicht möglich.» Hier noch meine Wunsch ans KTI: bringt mehr von diesen Feedbacks und Testimonials! http://www.kti.admin.ch/aktuell/00021/00150/00151/00158/index.html?lang=de und wem das auch noch zu lange geht: anrufen! Hotline Sondermassnahmen KTI: Alexandra Waldmeier, KTI, Tel. 031 324 17 78

Gehen wir nochmals zurück zum Anfang und zur Meldung des KOF: „«Die stark exportabhängigen Branchen der Industrie und des Gastgewerbes leiden unter dem starken Franken.» Deshalb habe sich ihre Wettbewerbslage verschlechtert. Insgesamt seien die Unternehmen hinsichtlich der künftigen Entwicklungen pessimistischer geworden.“ Das mag sein, aber wen wundert es, wenn andere Länder jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben. Bleiben die Gäste aus dem Ausland aus, muss man sich eben mehr um die Gäste im Inland kümmern. Dann bleibt der Franken zwar im Land, aber auch hier gibt es gute Marketingunternehmen, die gerne bereit wären, den Touristikfirmen unter die Arme zu greifen (bei Interesse bitte melden).

Seien wir ehrlich: wir waren doch etwas erfolgsverwöhnt: Wachstumsraten von 20% und mehr nach DB2, wie nachhaltig ist das schon? Wenn ich heute lese, dass Novartis Milliardengewinne macht, aber MitarbeiterInnen entlässt, ist das hoffentlich die dunkle Ausnahme. Vielmehr setze ich auf die Unternehmen, die auf eine Dividende verzichten oder schon gar nicht gelistet sind. Wozu auch? Viel mehr Kommunikationsaufwand und Erfolgsdruck. Wenn wir unseren Nachwuchs, sprich die Lehrlinge, nach einem schlechten Quartal oder ZWischenzeugnis bereits wieder auf die Strasse stellen würden, wo kämen wir da hin? Was zählt sind doch die ganzen 3 oder 4 Jahre, und dann geht es erst richtig los. In diesem Sinne: irgendwo ist immer Konjunktur (und Innovation), sprechen wir also darüber!

Freue mich wie immer über Hinweise und Feedback!

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