Was kommt nach Facebook?

Aus aktuellem Anlass widmet sich dieser Artikel dem Trend in Sozialen Netzwerken, welche Alternativen zu Facebook es gibt und was dies für Unternehmen und Unternehmer bedeutet.

Ende Oktober wartete Facebook mit einer überraschenden Meldung auf: junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren laufen dem Netzwerk zunehmend davon. Zwar gewinnt das Netzwerk in absoluten Zahlen und wächst weiter, allerdings in anderen Ziel- und Altersgruppen. So überraschend dies in den schweizer und deutschen Medien aufgenommen wurde: bereits am 11. August bloggte die 13 jährige Ruby Karp auf der Trend-Plattform mashable.com: “I’m a teen living in New York. All of my friends have social networks (…) but lately, I’ve been noticing something different. Facebook is losing teens, and I think I know why.” / „Ich bin ein Teenager aus New York. Alle meine Freunde nutzen Soziale Netzwerke (…) aber in letzter Zeit habe ich einen Unterschied bemerkt. Facebook verliert Teenager und ich weiss wieso.“

Grund Nummer eins: Uncool

Der erste Grund: die Netzwerke überaltern zunehmend. Welche jungen Menschen wollen sich schon auf demselben Platz tummeln wie ihre Eltern, Lehrer oder gar Grosseltern. Während Facebook in der Nutzergruppe ab 40 zulegte (+40% seit 2010), gaben gemäss einer Studie des US-Forschungsinstituts Pew  42% der 18- bis 29-Jährigen und 34% der 30- bis 49-Jährigen an, im letzten Jahr weniger Zeit täglich auf Facebook verbracht zu haben als zuvor. Ausserdem hat sich Facebook mit seinen ständigen Layoutverbesserungen keinen Gefallen getan, ebensowenig mit den wechselnden Einstellungen der Privatsphäre. Wenn etwas zu kompliziert wird, kehren Jugendliche der Komplex lieber den Rücken.

Grund Nummer zwei: Alternativen

Der zweite Grund ist noch trivialer: Die Alternativen haben zugenommen – und zwar massiv. Derzeit zählt das Netz rund 300 Social Media zugehörige Plattformen. Darunter die Veteranen wie Twitter (Kurznachrichten) oder Foursquare (Check-In’s), die Newcomer Pinterest (Online Sammlungen) oder Tumblr (Mikro-Blogging) und allen voran: Instagram. Der Dienst entspricht dem absoluten Selbstverständnisgefühl der heutigen Jugend: zeig mir was Du tust und ich sage Dir wer Du bist. Nicht viel schreiben, nur fotografieren, keine komplexen Sicherheits- und Privatsphäreneinstellungen (Privat oder Öffentlich) und sehr wenig Text. Dieser Trend hatte auch Facebook erkannt, als es 2012 Instagram für USD 1 Milliarde kaufte.

Die Hidden-Champions

Aber welche Netzwerke sind nun in der zweiten und dritten Reihe? Immer mehr wird klar, dass der Sieg auf dem Mobiltelefon ausgemacht werden wird. Eine Webseite im klassischen Sinn ist für die Ü30 und älteren unter uns immer noch eine Anlaufstellte mit Orientierungsfaktor. Inklusive Navigation und klassischem Aufbau. Die Generationen nach uns, sind aber bereits sehr angetan von Whatsapp und Snapchat. Whatsapp verwandelt das persönliche Adressbuch in einen Chatroom, in welchem Bilder und Videos einfach geteilt, Standorte übermittelt und Statusmeldungen verteilt werden können. Snapchat hat sich auf eine besondere Nische spezialisiert: so kann man mit der App Snapchat Bilder nur für eine bestimmte Zeit verfügbar machen, von 5 bis 60 Sekunden ist es dem Übermittelnden überlassen, wie lange die Nachricht zu sehen ist. Wird ein Bildschirmfoto gemacht, erhält der Absender eine Nachricht. Erst Mitte November 2013 hatte der Gründer von Snapchat ein Angebot von Facebook in der Höhe von USD 3 Milliarden ausgeschlagen. Warum Facebook Interesse an Snapchat hat? Letztere haben Facebook kürzlich geschlagen im täglichen Foto-Teilen-Wettbewerb, das heisst, mehr Benutzer laden Fotos über Snapchat hoch als über Facebook: konkret 400 Millionen sog „Snaps“ pro Tag, gegenüber 350 Millionen auf Facebook. Allerdings beinhaltet die Facebook Zahl nicht die Bilder von Instagram (ca. 55 Millionen).

Netzwerke der nächsten Generation

Wohin geht die Reise in diesem hart umkämpften und oft unübersichtlichen Markt? Der Trend ist eindeutig: Social – Local – Mobile. Menschen wollen zwar international informiert sein, interagieren wollen sie jedoch lokal und zwar mit Menschen, welche die gleichen Interessen teilen wie sie selbst: Dazu gibt es Riffer (für Gitaristen), Goodreads (für Bücherfans), RedKaraoke (Sie erraten es) sowie Nextdoor (für die Nachbarschaft). Alle Apps und Webseiten können einfach gefunden und getestet werden. Auch wenn derzeit die meisten Netzwerke grosse Nutzer in den USA sowie Deutschland besitzen. Wenn Netzwerke also vemehrt persönlicher, lokaler und vor allem mobil sein sollen, so sind zwei Netzwerke auf sehr gutem Weg Facebook & Co den Rang abzulaufen oder von eben jenen akquiriert zu werden. Diese zu erwähnenden zwei Newcomer sind bereits Champions in den USA und die Frage bleibt, wann diese nach Europa und in die Schweiz rollen werden: Path.com und Highlig.ht (man beachte die Aufteilung von Name und Domain). Das besondere daran: beides sind Apps, keine Websiten und erlauben dem Benutzer sein eigenes, kleines lokales Netzwerk auf- und auszubauen. Path.com ist eine App, welche dem Benutzer erlaubt, seinen ganzen Tagesablauf wiederzugeben – inklusive wann diese Person aufsteht oder zu Bett geht. Highlig.ht hingegen setzt ganz auf den „sechsten Sinn“. So zeigt die App an, wenn Highlighter in der Nähe sind, welche gemeinsamen Freunde und Interessen man hat (auch wenn man nicht mit ihnen befreundet ist) und wenn Freunde in die Nähe kommen, benachrichtigt die App mich selbständig. BigBrother mit Stalking-Funktion lässt grüssen. Aber auch hier gilt: jeder Nutzer entscheidet selbst über Teilnahme und Freigabe.

Chancen für Unternehmer und Unternehmen?

Was bedeutet dies für Unternehmer und Unternehmen? Müssen wir nun alle Marketingpläne vervielfachen und umschreiben? Nein. Denn Facebook und Twitter werden nach wie vor die dominierenden Netzwerke sein und bleiben, zumindest bis 2015. KMU tun sich gut daran, den Markt zu beobachten und zu analysieren, welche Zielgruppe in welhem Netzwerk wirklich Sinn macht. Für Marken und Konsumgüter heisst es jedoch, dass selbst klassische Online-Kampagnen je länger je weniger funktionieren, ganz einfach weil sich die User dem Zugang entziehen. Mit persönlichen, lokalisierten Netzwerken werden Anzeigen faktisch immer mehr ausgeschaltet. Über Botschafter, und gesponserte Geschichten im grossen Stil, geteilt über alle Netzwerke (so wie RedBull es mit Stratos bereits getan hat) werden die Karten ab 2014 nochmals neu gemischt werden.

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