Pensionskassen und der Zukunftsfond

Ich bin selbst Startup-Manager. Problem Nummer 2 ist immer: das Liebe Geld. Während man sofort Geld für einen 7er BMW erhält, Kreditwürdigkeit und Einkommen vorausgesetzt, tun sich stellenschaffende Jungunternehmen schwer, den gleichen Betrag als Investition in ihre Idee zu erhalten. Der Vergleich hinkt natürlich, betrachtet man die Ertragsart des Kreditnehmers und die mögliche Pfändung des Investitionsgutes, dennoch kriegt man heute leichter einen Privatkredit zum abzahlen als einen Vertrauensbonus zum abarbeiten.

Eine Motion im Nationalrat soll nun, nachdem sie den Ständerat mit 11 zu 7 Stimmen passiert hat, Klarheit schaffen, ob Pensionskassen in Zukunft in Startups mit sogenanntem Wagnisskapital investieren dürfen und ob die Rahmenbedingungen dazu gegeben sind. Dabei spielen drei Aspekte eine wichtige Rolle: 1. Pensionskassen sollen nicht spekulieren. Das angesparte Alterskapital ist eine wichtige Ertragsquelle und verdiente Leistung, mit welcher nicht gespielt werden soll. 2. Die Sparquote in der Schweiz ist nach Norwegen das Land mit der höchsten Sparquote. Gemäss einem aktuellen Artikel des Tagesanzeigers wurden seit die zweite Säule 1985 über 850 Milliarden Franken angespart. 3. Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist zu einem sehr grossen Teil von jungen, oft verrückten Leuten abhängig, die etwas wagen und unternehmerisch riskieren wollen. Sind unsere Ausbildungsstätten hervorragend ausgestattet und bringen brillante Köpfe hervor, sind diese oft vor die Wahl gestellt: Karriere, Haus, Auto und Familie oder was unsereins hat: Wohngemeinschaft, Büchsen-Ravioli und hohe Ambitionen.

Die Befürworter

Der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber wagte diesen erneuten Anlauf: rund 18 Ratskollegen aus allen grossen Parteien haben seine Motion für einen «Zukunftsfonds Schweiz» unterzeichnet, über den Pensionskassen und Versicherungen in zukunftsträchtige Technologien investieren könnten. Kommen wir damit zu ein paar aktuellen Zahlen. Die Baslerzeitung rechnet vor: “Gerade mal 300 Millionen Franken wurden 2012 in 70 Schweizer Start-ups investiert. Im vergangenen Jahr waren es mit 415,5 Millionen zwar deutlich mehr, aber noch lange nicht so viel wie im Jahr 2000, als fast 1,4 Milliarden Franken als Venturecapital vorhanden waren.” Im Gegensatz zu den USA sind das sprichwörtlich “Peanuts” oder Neudeutsch: kleine Brötchen: “(…) 2012 wurden total 26,5 Milliarden Dollar in Wagniskapital” investiert. Würden die schweizerischen Pensionskassen dasselbe tun, könnten nach den Berechnungen von Simon Baby und den Ökonomen der Universität Basel (Hier der Link zur Studie) bis 2030 etwa 40 Milliarden Franken Risikokapital investiert werden. Was dabei der Staat liefern soll, bleibt im Papier unklar. Kein Zwang von Startup-Beteiligungen, aber in den Berechnungen wird geschrieben „3000 Vorsorgeeinrichtungen erhöhten im Gleichschritt sukzessive ihre Risikokapital-Engagements“ – hoffen wir mal das Beste. Mentor des Projekts Zukunftsfonds Schweiz ist übrigens Henri B. Meier (hier in der Bilanz 2005), ehemaliger Finanzchef und Verwaltungsrat von Roche, Biotech-Unternehmer und seit 14 Jahren Förderer von Start-ups.

Die Gegner

Die Pensionkassen: Neben dem Bundesrat, welcher bisher jeden Vorstoss mit einem negativen Votum beantwortet hat, sitzen die Gegner wohl meist in den Pensionskassen selbt. Verständlich wohl, wer das Beispiel der Bernischen Lehrerversicherungskasse, die über 50 Millionen Franken mit Risikoanlagen verspekuliert hatte, noch in den Köpfen hat. Die Statistik: diese besagt nämlich, dass 8 von 10 Startups versagen (können), eine entsprechende Due Dilligence ist zwar lobenswert, aber nicht immer einfach. Nicht umsonst heisst des schliesslich „Risikokapital“. Wir Sparer selbst: denn wer will seine Altersvorsorge schon einem Risiko aussetzen? Vermutlich aber liegt die Chance und Möglichkeit allerdings eher in der Nuance und dem Prozentanteil – man wird es herausfinden müssen. Womit wir zu den Möglichkeiten kommen.

Die Möglichkeiten

Meiner Ansicht nach ist die Idee gut, die Umsetzung allerdings schwierig und wohl auch am falschen Ort platziert. Der Bundesrat war von Anfang an dagegen, unsere Sparer-Menthalität wird nicht so schnell zu kippen sein. Auch sollte man mit Vorsorgegeldern nicht unnötig Emotionen aufwirbeln, wissen wir wie oben erwähnt doch dass 8 von 10 Startups in den ersten 2 – 3 Jahren verschwinden. Hier aber liegt genau die Variante oder Kreativität begraben: warum eine Umverteilung von Vermögen, wenn es doch einfacher geht? Das Problem ist im Grunde genommen doch folgendes: während den ersten 2 Jahren kann sich kaum ein Gründer einen Lohn auszahlen, will man noch Stellen schaffen, verzichtet man noch länger auf mögliche Einnahmen. Während dieser Zeit könnte eine Steueramnesie erfolgen, in welcher man nur den Minimalbetrag an Staats- und Gemeindesteuern zu bezahlen hat und darüber wäre die Variante zu bedenken, zinslose Darlehen zu gewähren, schweizweit und nicht nur im Kanton Zürich wie vom Verein Go Selbständig. Finanziert durch entsprechende Kapitalgewinnsteuern von Multinationalen Unternehmen, die derzeit wohl kaum Steuern zahlen in der Schweiz – Deutschland macht uns hier ja etwas vor (Manager Magazin weiss mehr).

Die edle Variante

Oder man macht es wie Alain Georg von Fluit der erste Preisträger von Robert Heubergers Jungunternehmerpreis: er zahlte das Preisgeld zurück und konnte damit noch mehr Jungunternehmern eine Finanzierung ermöglichen (Artikel in der NZZ am Sonntag). Eine noble Geste, aber warum auch nicht? Es müssen ja nicht immer 100% sein, aber wer damit eine neue Finanzierung ermöglicht, kann zumindest einen Teil des Kreises schliessen.

Ach ja das Nummer 1: Timing. Aber dazu ein andermal.

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Ein Gedanke zu “Pensionskassen und der Zukunftsfond

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