Herausforderungen als Startup

Ich durfte Emel Türkemis, Studentin an der ZHAW Rede und Antwort stehen zum Thema Startups und deren Herausforderungen. Nachfolgend mein Interview.

Roger Basler, als Unternehmensarchitekt berätst, unterstützt und investierst in Startups. Doch was ist ein Startup und welche Herausforderungen haben sie zu bewältigen?

Der Begriff Startup wird von vielen unterschiedlich definiert. Wie würdest Du es in einem Satz definieren?

Ein Startup ist ein Unternehmen mit einem definierten Projekt über einen bestimmten Zeitraum, mit dem Ziel eine Firma daraus zu machen, die Profit abwirft.

Ab wann ist man denn kein Startup mehr?

Startup ist mehr ein Label. Viele nennen sich so, weil es ansprechend ist. Ich denke Startups sollten sich in 2 bis 5 Jahren etablieren. Wenn man nach fünf Jahren noch keinen geregelten Betrieb hat, noch nicht regelmässig Geschäfte macht, dann muss man sich überlegen, ob dies das Wahre ist. Anstatt sich weiterhin Startups zu nennen, könnte man z.B. ein neues Startup gründen.

Worin liegen die grössten Herausforderungen für ein Startup?

Die grössten Herausforderungen sind:

  1. Primär ein Geschäftsmodell entwickeln, welcher regelmässig Revenue generiert
  2. Den Cash Flow managen – immer genug liquide Mittel zu haben
  3. Das richtige Personal zu finden, diese zu motivieren und zu binden
  4. Ein Produkt oder Service anbieten, welches dem Kunden einen Nutzen stiftet
  5. Der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein

Sind diese vermeidbar?

Vermeiden kann man sie nicht unbedingt, jedoch kann man damit umgehen.

Es gibt viele gute Ideen, jedoch steckt mehr dahinter als man denkt. In der Realisierung braucht man doppelt so lang als eingeplant und es kostet alles drei Mal mehr als erwartet. Ausserdem warten die Leute nicht auf dich. Bei einer Fehlplanung – was fast schon dazu gehört – ist eine flexible Reaktion darauf und einen kühlen Kopf zu bewahren wichtig. Also sollte man seine Organisation so gestalten, dass man bestmöglich darauf reagieren kann. Zudem sollte man lieber versuchen die Ziele in Teilschritten zu erreichen und nicht zu viel auf einmal wollen.

Warum scheitern viele Startups?

  1. Ihnen fehlt ein gutes Businessmodell; viele machen sich zu wenig Gedanken über ihr Produkt oder Ihren Service. Wollen dies die Leute überhaupt? Gibt es dies nicht schon? Habe ich ein USP (Unique Selling Proposition) – also was differenziert mich von den Anderen? Natürlich muss es nichts weltbewegendes sein, es kann auch etwas Kleines, wie ein Modul oder eine Verbesserung eines Arbeitsschrittes sein. Dann muss man sich überlegen, wie mache ich damit Geld? Ist es ein einmaliger oder regelmässiger Verkauf? Viele scheitern am Schluss dabei, ihre Idee so zu positionieren, dass sie monetär verwertbar wird.
  1. Sie haben einfach zu wenig Kapital.

Gibt es daneben auch Vorteile?

Klar, es gibt auch Vorteile. Zum einen ist es sehr spannend. Ich sage immer man kann sich überlegen will man sein Geld in ein MBA (Master of Business Administration), eine Weltreise oder in ein Startup investieren. In allen drei Fällen kann man extrem viel lernen. Dies ist meiner Meinung nach der grösste Vorteil. Man lernt viele neue interessante Menschen kennen, lernt seine eigenen Grenzen und seine Stressresistenz kennen. Wenn du aus deinem Projekt ein richtiges Unternehmen gründen kannst, hast du gewonnen – nichts macht mehr Spass.

Gibt es ein Zeitfenster für Opportunities, die man nicht verpassen sollte?

Timing ist ein wichtiges Thema. Man kriegt nicht viele Chancen um Kunden und Investoren zu überzeugen. Es gibt eine „Halbwertszeit“!

In einer ersten Phase muss man sein Businessmodel schärfen. Im zweite Jahr sollte man einen „Bass“ generieren, d.h. die Leute auf sich aufmerksam machen. Im dritten und vierten Jahr heisst es wachsen, wachsen, wachsen! Schafft man es nach dieser Zeit nicht seine Ziele zu erreichen, wird es schwer im fünften Jahr regelmässig Absatz zu generieren.

Daher denke ich, es gibt Zeitfenster die man beachten und nicht verpassen sollte. Zudem sollte man sich im Klaren sein, dass es wie bereits erwähnt bis zu fünf Jahre dauern kann.

Oft brauchen Startups finanzielle Hilfe, wie zieht man am besten Investoren an?

Das Attraktivste für einen Investor ist das Businessmodell und das Team dahinter. Ein Startup, welches wirklich eine gute Idee, ein gutes Modell und ein starkes Team aufweisen kann, wird einen Investor finden. Schwieriger wird es, wenn man eine gute Idee hat aber nur auf Geld aus ist. Ein solches Auftreten ist weniger attraktiv.

Mit einer guten PR hat man schon viel. Somit reden die Investoren untereinander über dich. Dies ist nicht zu unterschätzen, denn in der Schweiz ist die Investorenszene klein, jeder kennt jeden.

Wo findet man am besten Investoren?

Als erstes sollte man sich überlegen, ob man Fremd- oder Eigenkapital möchte. Bei der Aufnahme von Eigenkapital ist man nicht mehr alleiniger Besitzer der Firma. Das Risiko für Eigenkapitalgeber ist grösser, da sie einen Totalverlust erleiden können, weshalb Eigenkapital auch teurer ist. Das Finden eines Eigenkapitalgebers ist schwerer, da dieser auch zur Firma und zu deren Idee passen muss. Beim Fremdkapital zahlt man tiefere Zinsen. Hier besteht jedoch die Gefahr der Überschuldung.

Somit stellt sich die Frage, welche Investorengruppen gibt es?

Private Investoren: Diese findet man oft im Familien- oder Freundeskreis.

Businessangels: Von ihnen gibt organisierte und weniger organisierte. Die Organisierten findet man oft in Netzwerken, wie Businessangels Schweiz – eine tolle Sache – hier gibt es einen strukturierten Prozess. Sie investieren nicht zum ersten Mal und wissen daher was sie machen. Die Unorganisierten sind vor allem Menschen, die eine erfolgreiche Karriere hinter sich haben und nun anstatt im Kapitalmarkt, in Startups investieren möchten. Diese erreicht man oft nur über persönliche Empfehlungen. Mittlerweile gibt es auch Plattformen wie investiere.ch, auf der die Investoren direkt angesprochen werden können.

Ausserdem gibt es auch Preisverleihungen (meistens Geld zu gewinnen) für Startups, lohnen sich diese?

Wenn man Geld bekommt lohnt es sich immer. Die Frage ist, bekommt man es auch? Man muss sich seine Chancen gut ausrechen. Denn eine Teilnahme ist sehr zeit- und ressourcenintensiv. Ausserdem ist die Teilnehmeranzahl sehr hoch.

Solche Preisverleihungen sind eine PR Maschine. Vor allem, wenn man es in die Endrunden schafft. Man hat plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit, also sollte das Produkt oder zumindest der Prototyp bereit stehen.

Welchen Tipp gibst du den Startups mit auf den Weg?

Der ultimative Tipp: Nimm dir für dein Projekt genug Zeit, sei geduldig, zeige Durchhaltewillen und habe einen Backup-Plan, falls deine Idee nicht durchschlägt.

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