On Demand Economy löst Sharing Economy ab

Die ganze Welt spricht von der Sharing Economy und meint damit eigentlich unsere neue On-Demand-Economy. So ist „Sharing“ per se ein schöner Gedanke, aber lassen wir uns nicht verleiten: die oft zitierten Geschäftsmodelle von UBER bis AIRBNB sind wie eingeleitet: Geschäfte – Business – kommerziell. Worum geht es also in der ganzen Diskussion, dieser Brave New World? Ich habe mir darum sehr lange Gedanken darüber gemacht, wie man diesen Bogen spannen kann. Vom Gesetzgeber, über die Industrie der On Demand Economy bis zu den Nutzern dessen. Nur ist das gar nicht so leicht, da es so etwas in dieser Form noch nie gab, Präzedenzfälle bisher fehlen und man kann sich zwar am Ausland orientieren, muss dabei aber wohl oft den Kopf schütteln. Nun ist das schöne bei einem Thema wie diesem, dass man die Zukunft ja nicht voraussagen kann oder soll. Denn wie John Lennon schon sagte: Life happens while you are busy making plans. Aber man kann versuchen die Zukunft anhand der Geschichte zu verstehen, versuchen Parallelen zu schaffen und dabei die Phantasie anzuregen, wohin die Reise denn nun gehen könnte.  Denn Sie wissen ja: eigentlich war ja alles schon mal da – oder nicht? Ich nehme Sie darum gerne mit, in eine kleine Zeitreise, ein wenig in die Vergangenheit und dann in die nahe Zukunft, denn 2020 ist in weniger als 5 Jahren und vielleicht sind wir ja schon da.

Die Zukunft dank der Vergangenheit verstehen lernen..

 

Wer nicht weiss woher er oder sie kommt, wird es schwer haben, irgendwo hinzukommen, darum starten wir unsere Reise in der sehr nahen Vergangenheit im Juni 2014. Ein Bild von vielen welches über die sozialen Medien ging: Menschen, Taxifahrer und Sympathisanten aller Art gingen auf die Strasse und demonstrierten von Berlin über Paris und Rom. Sie demonstrierten dass ihre Industrie im Sterben liegt, bereits zu den Todgeweihten gehört und nannte dabei auch gleich die Totengräber: diese neuen Apps, diese Dienste aus dem Internet und wer Internet sagt, der sagt auch Google. Eigentlich noch spannend dass dieses Bild UBER und GOOGLE gleichzeitig nennt, wenn man ja weiss dass GOOGLE am selbstfahrenden Auto arbeitet und Google Maps bereits mit UBER verbunden ist – aber das ist eine andere Geschichte die bald passieren wird. Nun kommen wir zurück auf diese Wut, diese Frustration von diesen Menschen die ihre Existenz, wohl zu Recht, bedroht sehen. Sie gingen auf die Strasse, sie streiken, sie blockierten und weigerten den Dienst anzubieten, für welchen sie normalerweise bezahlt werden. In Paris, Madrid, London, Berlin und vielen weiteren Orten dasselbe Bild – nur wozu? Denn die Realität heisst Mobilität. Menschen wollen mobil sein, nicht nur von A nach B kommen, sondern vor allem rechtzeitig in B sein. Ob mit einem eigenen Auto, einem bezahlten Dienst, einem Freundschaftsdienst, ob spontan oder geplant: auf die uns bequemste und schlüssigste Art und Weise. Als ich darum diese Bilder in kurzer Folge aufeinander sah, wurde mir klar, dass es um mehr geht als nur um starre Rahmenbedingungen und Sicherheiten. Wir alle sprechen von dieser gewaltigen Revolution die kommen wird, dieses neue, noch nie dagewesene Phänomen, dass man neue Dienste nutzt und alte etablierte Industrien vernachlässigt, ja vom Thron stürzt. Aber da wir ja auf einer Reise sind, sind wir ja hoffentlich nicht alleine. Und wenn wir nicht alleine sind, sind wir viele. Und wenn wir schon viele sind, sind wir auch schon beim Sharing, beim Teilen. Und wenn wir schon beim Teilen sind, Hand aufs Herz: es ist nicht nur Gutmenschendünken das uns antreibt, sonst wären UBER und GOOGLE ein Verein – wie die FIFA. Nein auf unserer Reise geht es darum dass wir uns in andere Hände begeben: sprichwörtlich tun wir das ja, sobald wir in den Flieger oder in ein Taxi steigen. Und bezahlen dafür bereits im Voraus und wir erwarten dafür etwas, einen Dienst On Demand. Einen Dienst der auf der Grundlage allen wirtschaftlichen Handles ruht:

Die Grundlage allen Handelns…

Es geht um Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage jeden wirtschaftlichen Handelns. Jede Transaktion braucht einen Bruchteil bis hin zu sehr viel dieses kostbaren Gutes: Vertrauen. Lassen Sie mich darum heute eine Analogie verwenden, in welcher die On Demand Economy uns in Zukunft mehr zu Diensten sein wird, als das es und wirklich bewusst ist.  Denn die On Demand Economy und alle mit ihre verbundenen Hoffnungen, Zweifel, Ideen und Stolpersteine, werden die Art und Weise, wie wir miteinander wirtschaften massgeblich beeinflussen und prägen. Denn ob wir den Putzdienst bei Mila, das Auto bei Sharoo, oder das Essen bei Cookeat nutzen, hängt vor allem davon ob, ob es diesen Unternehmern gelingt, unser Vertrauen in ihre Dienstleistung aber auch in die Menschen dahinter  zu gewinnen. Nun werden Sie sagen: was hat denn bitteschön Vertrauen, dieses sharing und die heutige, beziehungsweise zukünftige Entwicklung der Wirtschaft zu tun? Sehr viel, denn on es uns bewusst ist oder nicht: im kleinsten gemeinsamen Nenner, ist es eben keine Revolution, sondern die logische Evolution und die On Demand Economy kann und wir uns massgeblich dienen unsere Wirtschaft wieder dahin zu bringen, wo sie einmal war.  Sie glauben mir nicht?

In […] we trust…

Die immer noch grösste Volkswirtschaft der Welt macht es uns vor. Nicht nur mit den innovativen Diensten, welche wir hier in Europa teilweise noch verteufeln. Es geht um den Spirit, der sich in der Grundmanifestierung wirtschaftlicher Transaktionen widerspiegelt:  Auf einem Stück Papier, dessen Wert wohl einiges unter dem damit zu erwerbenden Wert liegt, garantiert uns unsere Regierung, dass  wir es auch können: 10 Franken sind 10 Franken – Inflation und Depression hin oder her: ein Stück Papier garantiert uns, dass wir keine Ziegen, Hühner und Strickwaren mit uns führen müssen um den Cappuccino am Morgen im Zug geniessen zu können. Wir halten in unseren Brieftaschen also verbriefte (man beachte das Wortspiel) Vertrauensbeweise in eine uns nicht direkt zugängliche Institution, die uns, sofern wir nicht gerade in Zypern leben, unsere Kaufkraft garantiert.

Aber warum vertrauen wir überhaupt einem Stück Papier oder dieser Plastikkarten? Weil wir vom Prinzip Hoffnung leben. Wir hoffen, basierend auf der Erfahrung, dass die nächste Transaktion wie die letzte ausgeführt werden wird.

In der Ökonomie spielen Transaktionen eine zentrale Rolle. Ihnen ist gemein, dass immer mindestens zwei Personen beteiligt sind und der Leistung des einen die Gegenleistung des anderen gegenübersteht. Grundbedingung einer jeden Transaktion ist ein ausreichendes Vertrauen, dass der jeweils andere auch seine Gegenleistung erbringen wird. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung:

 

Wir hoffen also, dass die Wahrscheinlichkeit grosser als NULL sein muss, wobei p die Wahrscheinlichkeit, G der hoffentliche Gewinn durch die Handlung von X und nicht der Verlust (L) der Handlung von Y ist. Nun fragen Sie sich aber: ok, das mit dem Vertrauen habe ich verstanden, ja ich habe Geld in der Tasche und meine Kreditkarte ist gedeckt, wo ist der Bogen zur On Demand Economy und vor allem zur Regulierung? Und Wohin geht die Reise? Dieselbe Frage habe ich mir ja auch gestellt und zwar immer und immer wieder. Nur hier wird’s ein wenig Paradox: den wenn wir uns an die ersten Bilder der Präsentation erinnern dieses “Nunca mas! Nöd mit eus!”  Dieser Ruf nach Hilfe und Regulierung richtet sich in erster Linie an den Gesetzgeber.

Wir erwarten also, dass unsere Volksvertreter sprich Politiker sich darum kümmern, dass etwas geregelt wird, obschon wir Ihnen noch weniger vertrauen als Finanzberatern und Autoverkäufern. Wir erwarten, dass unsere Probleme gelöst werden von einem Apparat, der eben nicht Veränderung, sondern Beständigkeit garantieren soll, in einer Zeit des stetigen Wandelns. Nur: wenn wir immer nur den Status Quo verteidigt hätten, wo wären wir heute? Wären wir eine der kompetitivsten Nationen der Welt? Jetzt wo der Bankensektor sich de fakto selbst abschafft und die Uhrenindustrie in ein paar Jahren realisieren wird, was Cupertino wirklich auslöste?

Auf unsere Reise in die Zukunft werden wir immer wieder auf Menschen treffen, die sogenannte Pioniere sind: Vordenker, Menschen welche die erste Frühphase begleiten, Wachstum finanzieren, bis es später institutionalisiert und etabliert wird um später, in einer Stabilisierung hoffentlich ganz nach Schumpeter wieder kreativ zerstört wird. Nur in welcher Phase befinden wir uns jetzt? Wohl immer noch in einer Frühphase. Und das ist gut so, denn hier wird sich zeigen, welche Stärken und Möglichkeiten diese On Demand Economy für die Gesamtwirtschaft erst mit sich bringen wird. Denn wir müssen bereits heute aufhören in Sektoren oder Industrien zu denken. Es geht um die Vernetzung der Vernetzung: Menschen, Dienstleistungen, Profile und ganz grundlegend: Vertrauen. Aber nicht nur Vertrauen im übertragenen Sinn, sondern im tatsächlichen, realen: sichtbaren und wahrnehmbaren Sinn.

Die Zukunft heisst E-Trust ….

Lassen Sie mich ein Beispiel machen. Stellen wir uns eine typische On-Demand-Userin vor. Nennen wir sie doch Natascha, sie ist 32 und sie besitzt weder Auto, noch Ferienwohnung, noch hat sie eine eigene Putzfrau aber sie ist auf allen sozialen und Online Plattformen aktiv. Nun meine Frage: würden Sie dieser Frau vertrauen? Ihr Haus anvertrauen? Ihr Auto übergeben? Ihren Kinderwagen ausleihen? Warum ja? Warum nicht? Wäre es nicht toll, wenn Sie wissen könnten, ob sie ihr vertrauen können? Natascha ist für Sie völlig unbekannt, kein politisch und finanzielles Schwergewicht deren Ruf ihr vorauseilt. Nun stellen Sie sich vor: Sie können ihr vertrauen. Denn Natascha ist nicht umsonst auf all diesen Plattformen. Sie hat nicht umsonst ein Auto bei Mobility und Sharoo. Sie verkauft nicht umsonst ihre Kleider auf PLV und Ebay. Und sie ist nicht ohne Grund auf Mila als IT Supporterin gemeldet. Natascha kann was und sie ist zuverlässig, bezahlt ihre Rechnungen, ist ansprechbar und das alles zeigt sich in ihrem Score: Dem E-TRUST.

Die On Demand Economy Unternehmen und allen voran Google haben sich zusammengeschlossen und etablieren, ganz Datenschutzkonform und aufgrund Krypto-ähnlichen Algorithmen einen Score. Dieser Score ist eine Mischung aus dem Verhalten auf den Plattformen: ein geben und nehmen, dem transaktionalen Geschäft: was wird wie gehandhabt und gebucht und der Verifzierung im realen Leben dank Social und realen Accounts

Die On Demand Economy wird massgeblich mit der klassischen, konsumativen Economy verschmelzen und dabei einen wichtigen Bestandteil einbringen: nämlich die Fähigkeit und Möglichkeit, dass wir bereits vor einer Transaktion wissen, wie diese ablaufen wird – aufgrund der Experience und der Bewertung der Plattformen und der User. Aber nicht nur eine rein oberflächliche Bewertung wir das sein, sondern eine transaktionelle: Transparent, verifiziert, hilfreiches Handeln und Verantwortung tragen. Der E-Trust Score wird uns begleiten, uns helfen und uns hoffentlich mittelfristig zu besseren Transaktionspartnern machen – vielleicht sogar ohne das zu tun von externen, legislativen Bemühungen und Anstrengungen.

Die On Demand Economy, einst Revolutionär wahrgenommen wird uns eigentlich wieder darauf zurückbesinnen, was unsere wirtschaftlichen Beziehungen im Kern ausmacht: Vertrauen in das Gegenüber, Vertrauen in die Handlung und Vertrauen in die Personen und Anbieter dahinter  Bleibt nur noch die Frage: wollen wir so viel Transparenz? Und haben wir heute schon genügend Vertrauensbonus um es solange auszuhalten oder scheitern wir bereits morgen an zu starren Strukturen, Legislaturen und dem eigentlichen Feind des Vertrauens: der Angst vor dem Wandel, aber das ist was man mit Disruption meint: das Aufbrechen alter Muster und Modelle. Ganz Schumpeter, ganz neu, ganz digital.

 

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Die Schlacht der Mini Tablets – oder warum Zugang und Distribution immer wichtiger werden

Apple iPad mini VS Amazon Kindle Fire HD VS Google Nexus 7 VS Samsung Galaxy Tab 2 7.0

Vor einer Woche hat Apple sein neues Apple iPad Mini präsentiert, was grossartig verheimlicht und dann angekündigt wurde überraschte am Ende doch niemanden. Ein kleineres Device mit denselben Features wie sein grosser Bruder, aber warum überhaupt eine kleine Version? Ironie an der Sache: das iPhone wird grösser, das iPad kleiner – das gleiche bei Samsung mit dem Galaxy Tab und dem Galaxy Note.

Das wirklich spannende an der Sache ist aber der Gesamtkontext. So haben die Hauptmitbewerber von Apple wie Samsung, Google und (wenn wir die Sache mit den Stores mal etwas ausweiten) Amazon ebenfalls so genannte mini portable devices lanciert.  Google hat mit seinem Nexus 7, Samsung mit dem neuen Galaxy Tab 2 und Amazon mit dem Kindle Fire HD nicht nur die Grösse von 7″ adaptiert, sondern den Weg für ein neues Businessmodell eröffnet: Online Stores werden immer wichtiger, die Menschen immer mobiler, wie soll das einher gehen? Mit portablen Geräten, die einen direkten Zugang zum Apple Store, dem Google Play Store, Amazons Online Store – moment, hat Samsung nicht auch den Play Store auf den Geräten? Nun ja, sagen wir noch: Samsung plant gemäss einigen Angaben nämlich den Einstieg ins eigene Musikgeschäft.

Zurück zur Schlacht bei den Mini Tablets: Die Tablets sind der Schlüssel zum wirklich attraktiven Teil, den Stores. Ob Musik, Apps oder Gadgets, die immer mehr personalisierten, ständig bei sich tragenden, mit Kreditkarteninformationen hinterlegten Geräte sind eine Goldgrube im doppelten Sinne. Der Besitzer verbindet sich immer stärker mit dem Gerät, ein Vertrauensverhältnis entsteht und durch die handliche und angenehme Form und Grösse macht es das einkaufen vom Sofa, aus der Bahn, am Flughafen wartend richtig einfach.

Wenn also die vier grössten Player eigene  Geräte, Stores und Plattformen planen , wer sagt da, es sei kein Markt? Fehlt nur noch Microsoft – aber die Jungs aus Redmond sind leider seit einigen Jahren etwas hinter den aktuellen R&D hinterher: das Windows Tablet (Surface) wird nämlich Ende Oktober lanciert.

Für die technischen Details hier noch eine Übersicht:

Eine technische Übersicht der Tablets die derzeit auf dem Markt sind
Eine technische Übersicht der Tablets die derzeit auf dem Markt sind
(Quelle: http://gadgets.ndtv.com/tablets/features/apple-ipad-mini-vs-amazon-kindle-fire-hd-7-vs-google-nexus-7-samsung-galaxy-tab-2-70-283840)

Wenn Firmen mehr Geld als Staaten haben

Auch wenn die Zahlen nur schwer vergleichbar sind: Apple hat mehr Geld als der US-Staatshaushalt:  USD 76,16 Milliarden, das stand letzten Monat in der Presse

Ich wollte mehr wissen, also habe ich ein wenig rechechiert und zusammengetragen, was zum nachdenken anregen sollte: 2005, oder in Bezug auf das iPhone vor dem Jahr Null, hatte Apple „nur“ USD 9 Milliarden in der Kasse. Seitdem hat Apple dank iPhone 3 und 4, sowie dank dem iPad und anderen Innovationen kräfig zugelegt. Derzeit hat Apple mehr Spielraum als der US Staat und gleichzeitig könnte Apple damit Nokia ($22.6 Milliarden), RIM ($13.8 Milliarden), HTC ($25.4Milliarden) und Motorola ($4.2 Milliarden) kaufen, für „nur“ USD 66 Milliarden – Cash versteht sich. Damit ist Apple übrigens auch reicher als Libyen, Kenya und Luxemburg (Quelle IMF)

Das doppelte Problem für die USA dahinter: Apple produziert zu einem Grossteil im Ausland: „Assembled in China“ – zusammengesetzt in China steht in kleinen Lettern auf der hinteren Abdeckung. Dabei gehen die vollen Herstellungskosten von USD 179 in die Handelsbilanz der USA ein. Und zwar als Import aus China, der das viel diskutierte Handelsbilanzdefizit noch verschärft. In Summe vergrösserte das iPhone das US-Handelsbilanzdefizit um USD 1,9 Milliarden. Das entspricht 0,8% des gesamten Defizits.

Es geht noch weiter: Letzte Woche legte die Financial Times Deutschland noch einen drauf: Apple ist an der Börse so viel wert wie alle 32 grössten Banken der Euro-Zone zusammen. Der US-Technologiekonzern kostete am Freitag 19. August 2011 USD 340 Milliarden, das ergaben die Daten des Finanzdienstleisters Thomson Reuters. Der STOXX-Index für die Euro-Zone-Banken rutschte gleichzeitig vier Prozent ab, womit seine 32 Werte mit weniger als USD 340 Milliarden notiert wurden.

Übrigens, die Schweiz hat, gemessen am Bruttosozialprodukt (engl. GDP) an der Börse gelistete Unternehmen, welche 234.7% des GDP ausmachen – damit belegen wir den Bronzeplatz im Sinne von „too big to fail“, gleich nach (Quelle Weltbank.) Da wundert es einen nicht, dass Anleger den Firmen eher vertrauen als den Ländern – übrigens hier ist „history repeating“ angesagt, das war nämlich bereits letzten Winter der Fall wie „Die Welt“ damals berichtete.

Was denkt ihr? Folgen und Reaktionen?

China 2011: USA 2007 reloaded (经济泡沫)

Wirstschaftsblase auf chinesisch heisst 经济泡沫 oder „jīngjì pàomò. Was dahinter steckt hat Dylan Grice, Ökonom bei Societe Général in einem aktuellen Artikel der BAZ online schön gesagt:

China hat kaum Lehren aus dem Debakel des Westens gezogen. Durch die laxe Geldpolitik wurde die Spekulation geradezu provoziert. Nominal wächst die chinesische Wirtschaft fast 20% pro Jahr. Die Zinsen sollten demzufolge auch etwa 20% betragen. Der reale Zins ist jedoch negativ. Die Chinesen können wegen der Kapitalverkehrskontrollen ihr Geld nicht ins Ausland transferieren, und sie bringen es nicht zur Bank, da die Inflation deutlich höher ist als der Depositenzins. Was bleibt ihnen übrig? Der Erwerb von und die Spekulation mit Wohneigentum. Einen durch negative reale Zinsen induzierten Bauboom sahen wir auch schon in Spanien, Irland und Amerika. Dasselbe machen nun die Chinesen, sie sind auf der Jagd nach Rendite – das klingt doch irgendwie bekannt. Sie glauben an ein Wunder, das nicht eintreten wird. Für die sehr lange Frist bin ich durchaus optimistisch für China. Ich sehe jedoch, wie sich das Potenzial für eine harte Landung und einen fiesen Schock für risikobehaftete Anlagen aufbaut.

Im Jahr 2006 sah die Welt noch anders aus: http://www.nytimes.com/specials/chinarises/gettingrich/index.html

Aufruf an die Generation Digital!

Selten hat mich ein Artikel so inspiriert wie dieser hier – Digital Natives gegen Analoge Exiles! Ich stimme Herrn Dueck mehr als zu, was es braucht heute sind Leute, die Verantwortung übernehmen, nicht nur konsumieren, Persönlichkeiten, die soziale Gewandtheit, emotionale Intelligenz, Managementtalent, Verhandlungsgeschick, Selbstverantwortung und Unternehmergeist mitbringen – in diesem Sinne: lesen und weiterverbreiten!

Aufruf an die Generation Digital!

Die Eingeborenen des Internetzeitalters müssen endlich rauskommen aus ihrer Höhle. Ihre Mission ist keine geringere, als die Gesellschaft neu zu erfinden. von Gunter Dueck. Herr Dueck ist Chief Technology Officer bei IBM Deutschland und gilt als Vordenker der digitalen Welt. Er ist Professor der Mathematik und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt „Aufbrechen! Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“.

Die Zukunft ist digital. Das Internet ist ihr neues Leitmedium. Und unser Heimatland ist bald ganz in das globale Dorf eingebettet, zu dem die Welt wird. Wir stehen jetzt schon seit vielen Jahren vor (!) „dramatischen Veränderungen“, von denen wir uns in der Presse erschauernd angsterfreuen lassen. Jetzt wird es Zeit anzupacken. Nicht nur, weil es schon Leute in Singapur tun, sondern einfach, weil das Vorangehen mehr Freude macht als das Nachmachen mit der Peitsche im Rücken. Und wer soll anpacken? Die Digital Natives natürlich, die Eingeborenen des digitalen Zeitalters! Es steht doch schon an allen Wänden „Power is changing hands“. Aber was soll neu erfunden werden?

Bei Platon und Aristoteles steht ja schon, wie man einen Staat aufbaut. Jeder kommt auch selbst darauf, so tiefsinnig ist es nicht. Für jede Infrastruktur wird eine Organisation benötigt, also zum Beispiel für die Landwirtschaft, den Handel, die Armee, die innere Sicherheit, die Energieversorgung, den Verkehr und so weiter. An die Spitze einer jeden Infrastrukturorganisation steht ein Minister. Der hat seinen Kompetenzbereich und sein Ressort. Jetzt kommt aber als neue Infrastruktur das Internet hinzu. Und alle haben natürlich sofort die Idee, ein Ministerium für die Verlegung von Glasfasern zu gründen.

Diesmal ist es aber anders: Das Internet wirkt in den Verkehr, die Energieversorgung, die die Verteidigung, den Handel – kurz: in alle Bereiche hinein und gehört dort überall schon jetzt oder sehr bald zum wichtigen Kernbereich dazu.

Schauen Sie Ihren Computer an, auf dem viele Anwendungen wie Textverarbeitung, Datenbanken, E-Mail oder SAP laufen. Diese Anwendungen können nur dann sinnvoll funktionieren, wenn sie auf einer gemeinsamen Plattform stehen, die beim Computer Betriebssystem heißt. Das Betriebssystem erledigt all jene Aufgaben, die viele Anwendungen brauchen. Im Betriebssystem ist ökonomisch sinnvoll alles nur einmal programmiert, was sonst getrennt in jeder Anwendung immer noch einmal vorhanden sein müsste.

In diesem Sinne bildet das Internet rund um Cloud-Computing – also das Auslagern von Daten und Programmen ins Netz – eine Art Betriebssystem für die Gesellschaft der Zukunft. Leider erfinden gerade alle Infrastrukturen und alle Minister das Internet in ihren Ressorts so ein bisschen selbst und dabei ganz widerwillig neu. Ein Ressort ist „fest umrissen“, so war es allezeit seit Platon und Aristoteles. Das Internet verfilzt nun aber alles. „Die Komplexität steigt!“, klagen Manager und Politiker, aber im Grunde verstehen sie nicht, dass wir nun unter den Ministerien beziehungsweise den Unternehmenszentralen ein Betriebssystem brauchen, das den Kern der gemeinsamen Verwaltung bereitstellt. Das Fehlen dieses Betriebssystems erzeugt die Komplexität.

Digital Natives, das Gesellschaftssystem muss neu erfunden werden!

Viele Berufstätige verwenden einen großen Teil ihrer Arbeitszeit dafür, Informationen einzugeben, zu verändern, zu suchen, weiterzugeben und Auskünfte zu erteilen. Das betrifft Ärzte, Rechtsanwälte, Reisebüros, Headhunter, Wissenschaftler, Bankberater, Versicherungsagenten, Lehrer, Professoren, Unternehmensberater, Journalisten und Beamte aller Art. „Ich bin in der Familienkasse dafür zuständig, die Immatrikulationsbescheinigungen der Studenten aktuell zu halten, damit das Kindergeld korrekt ausgezahlt wird. Dazu führen wir einen ausufernden Schriftwechsel mit Eltern, die wiederum mit deren Studentenkindern und die wieder mit den Universitäten. Wir alle zusammen arbeiten zuverlässig daran, die Information ,Ja‘ von der Uni auf den langen Papierweg in den PC der Familienkasse zu bringen.“

Wir stöhnen unter solchen Steinzeitorganisationen. Wir erleiden täglich unsere Flachbildschirmrückseitenberatungen. Wir wollen eine Reise, einen Fonds, eine Versicherung, ein Ticket – und immer starren wir dazu einen Flachbildschirm von hinten an, auf dessen Vorderseite jemand für uns surft oder an alter Software scheitert. Wir haben aber doch schon gesurft, lieber Banker, Reiseagent, Arzt oder Rechtsanwalt! Wir brauchen nur noch das, was wir nicht durch Surfen selbst erledigen können. Das aber wird immer weniger. Das Einfache der Berufe wandert ins Internet. Informationen erteilen oder auf Papier hin- und herschicken ist kein Beruf mehr. Alle Routineaufgaben werden beim „Discounter Internet“ erledigt.

Wer noch irgendwo Information braucht, kommt dann natürlich mit einem komplizierten Fall, für den er einen wirklichen Professional braucht.

Sehr viele Berufe verlieren sehr viel Arbeit dadurch, dass die meisten Menschen den einfachen Fall der reinen Informationssuche selbst erledigen können. Diese Berufe verlieren einen großen Teil ihres profitablen Geschäfts. Sie bleiben dann auf den schwierigen Beratungs- und Verwaltungsvorgängen sitzen, die so anspruchsvoll sind, dass man sie nicht automatisieren kann. Deshalb braucht Deutschland demnächst immer dringender Fachkräfte. Alles andere wird im Internet automatisiert oder von Niedriglohnjobbern erledigt.

Digital Natives, die Berufe müssen neu erfunden werden!

Komplexe Aufgaben verlangen nicht nur Fachkönnen (das wird sogar zum guten Teil vom Internet geliefert), sondern soziale Gewandtheit, emotionale Intelligenz, Managementtalent, Verhandlungsgeschick, Selbstverantwortung, Unternehmergeist – eben all das, was heute in Stellenanzeigen so gefordert wird. Darüber amüsieren sich viele: „Haha, man soll jetzt alles können!“ Liebe Leute, man muss es.

Unser Bildungssystem aber trichtert vor allem ein, was schon im Internet steht. Wir lernen nicht, professionelle Menschen zu sein oder Persönlichkeiten zu werden. Wir werden nicht auf das Komplexe vorbereitet. Manager behandeln ihre Mitarbeiter wie unmündige Menschen, die dressiert werden müssen, bestimmte Handgriffe zuverlässig wieder und wieder auszuführen. Die Standardisierung der Arbeit führt viele von uns in einen halb automatisierten Niedriglohnjob, weil gerade alle Dienstleistungen auf Teufel komm raus industrialisiert werden. Diese Industrialisierung des Einfachen macht viele von uns zu immer niedrigeren Fließbandarbeitern, die bald gar nicht mehr gebraucht werden.

Die aber, die übrig bleiben, sollen ungleich professioneller sein als jemals in der Menschheitsgeschichte. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unsere Professionalitätsstandards dramatisch erhöhen, wie wir unseren Nachwuchs coachen, ob wir vielleicht zu Einzelunterrichtseinheiten mit Internethausarbeit übergehen sollten. „Persönlichkeit“ wird nicht gelernt, sondern erworben – es geht dabei immer um Coaching, Training und Mentoring – nicht um bloßes Frontalunterrichten. Lernt man Fußball, Ballett, Geige oder Theaterspiel durch Frontalunterricht? Nein. Und Verhandeln, Managen oder Projektleitung auch nicht. Alle wissen, dass man mit Geige, Ballett oder Schachspielen früh anfangen muss, wenn es gut werden soll. Aber Managen, Verkaufen, Kommunikation erst nach dem Doktor mit 30?

Digital Natives, die Menschen müssen neu erfunden werden!

Wer erfindet denn nun neu? Die Politiker betreiben Politik für Arbeiter, Selbstständige, Bauern, Christen, Beamte, Verwaltungsangestellte. Das sind sie aus der alten Welt so gewohnt. Sie verstehen nicht, dass es diese Klassen im digitalen Zeitalter gar nicht mehr gibt. In der näheren Zukunft werden wir eine Mittelschicht der Hochprofessionellen sehen und eine Schicht derer, die der Dienstleistungsindustrialisierung zum Opfer fallen und in Niedriglohnbereiche abdriften. Werden wir Parteien haben für „Professionals“ und „Unprofessionals“? Kümmert sich jemand darum, möglichst viele Menschen in den Bereich der Professionals hineinzubringen?

Die Politiker nicht, sie sind nicht einmal Digital Immigrants, eher Analog Exiles. Wen soll ein Professional des digitalen Zeitalters wählen? Das weiß er nicht. Er wählt überhaupt nicht, dasselbe wie beim letzten Mal oder aus Verzweiflung Grün. Erkennt denn keiner den Erdrutsch des digitalen Zeitalters?

Ja, doch, die Digital Natives erkennen ihn, die Blogger oder Facebook-Jünger, die sich neuerdings in demokratischen Revolutionen hervortun – woanders. Sie stecken alle im Internet und freuen sich über ihre tolle Digital Community. Sie werden böse, wenn die normale Welt sie stört. Sie kämpfen für die Freiheit des Internets. Das ist gut! Aber doch lange nicht genug.

Digital Natives, Ihr seid die Generation, die ein neu erfundenes Deutschland führen wird. Auf Euch wartet mehr Neubauarbeit als auf fast jede andere Generation. Bleibt nicht unter Euch! Kommt in die Welt! Lest Platons Höhlengleichnis von dem einen, der das Licht draußen sah und die Kunde vom Licht den Ungläubigen hereinbringt. Lasst nicht nach, wenn es eben diesen Unglauben noch lange geben wird. Werdet die treibende Kraft. Versteht die Verantwortung Eurer Generation. Lasst Euch das von mir Altem nicht immer sagen lassen müssen. Los!

(Quelle: http://m.ftd.de/artikel/60048143.xml?v=2.0)