Ist Crowdfunding wirklich das Richtige?

Mit Hilfe dieses Blogbeitrages möchten wir aufzeigen, welche Startups sich für ein Crowdfunding entscheiden sollten. Denn: nicht jedes Geschäftsmodell und nicht jede Gründerpersönlichkeit sind für Crowdfunding geeignet. Vorab empfehlen wir den Artikel: wie funktioniert Crowdfunding – eine Anleitung.

Zwei Dinge sind unverzichtbar:

  • Die Geschäftsidee muss das Potential haben, Menschen zu begeistern. Nur wenn viele Menschen von einer Idee überzeugt sind, kann sie erfolgreich mit Crowdfunding finanziert werden.
  • Die Gründer müssen direkte Kommunikation mit der Crowd mögen und beherrschen. Crowdfunding lebt von dem unmittelbaren, lebendigen Kontakt zwischen Startups und Investoren und der gemeinsamen Begeisterung für ein Thema. Daher sollten soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter elementarer Bestandteil des Marketings sein.
  • Es braucht eine grosse Fan Basis bestehend aus Social Media und vor allem Mailadressen, welche man regelmässig via Newsletter abholen und updaten kann.

Ausserdem sollte man folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Neue, innovative Produkte oder Dienstleistung
  • Attraktive, skalierbare Geschäftsmodelle
  • Geschäftsmodelle die den Proof of Concept erbracht haben
  • Markteintritt sollte bestenfalls schon erfolgt sein (konkretes Produkt haben)
  • Es sollte ein ausreichend grosser Markt bestehen
  • Gründungsteam mit Leidenschaft und dem Talent sich zu präsentieren
  • Unternehmen, die in der Frühphase 10‘000 oder 50‘000 bis 100‘000 Franken benötigen oder bereits nennenswerte Umsätze vorweisen können
  • Proaktive Kommunikation mit der Crowd betreiben

Für die Anmeldung wird oft ein Video und Bildmaterial vorausgesetzt. Das Video selbst sollte spannend, neugierig machend und unterhaltsam sein. Inspiration gibts auf jeder Plattform wie Indiegogo oder Kickstarter en Masse. Ausserdem bieten viele ein Handbuch an, zB Kickstarters Handbook.

Know your Crowd! Wir empfehlen ausserdem die Statistik Seiten genau zu studieren, daraus kann man viel ablesen: https://www.kickstarter.com/help/stats?ref=footer

Speed Networking ist das neue Speed Dating

Wir haben alle keine Zeit. Als Gründer, Unternehmer, Startuper noch weniger als andere (selbstverständlich und rein subjektiv). Die Problematik aber bleibt trotz aller Liebe zum Priorisieren: welche Personen und Anlässe sind die wirklich wichtigen, guten, inspirierenden? Wir alle wissen: wahre Beziehungen brauchen Zeit und nur viel zu oft treffen wir auf Menschen die zwar unser Wissen schätzen, aber unsere Ratschläge nicht brauchen, die zwar viele Kontakte möchten, aber deren Zeit dann noch limitiert ist. Was also tun? Speed Networking ist das neue Speed Dating. Oder anders gesagt: Tinder minus Dating, wie wäre das? Das Ganze wäre wohl eine App, kommt aus San Francisco und nennt sich WEAVE.

Die App funktioniert also wie eine Dating App: gefällt mir, gefällt mir nicht. Swipe links, Swipe rechts und schon gibt ein Coffee-Meetup. Derzeit ist die App für iOS und Android verfügbar.

 

Was steckt dahinter? Aufgrund gemeinsamer Interessen aus dem LINKEDIN Profil, Stichworten und der Standortbestimmung werden Kontakte vorgeschlagen aus dem Linkedin Universum, welche spannend sein könnten. Dabei kann man sich über die App absprechen, einen Ort und eine Zeit ausmachen via Messaging und schon rollt das Ganze. Die App funktioniert recht gut, vor allem in Grosstädten im Ausland, in der Schweiz ist es leider noch limitiert, da die User darauf noch fehlen – es sind darum vor allem Expats und Freelancer zu finden.

Die Gründer von WEAVE umschreiben die Idee hinter der App dann auch wie folgt:

  1. Weave is a global community of real people ready to help and support each other.

  2. We believe networking is about helping others, before helping yourself

  3. We believe networking should be easy and accessible to anyone, anytime, anywhere

  4. We believe the best way to network and build trust is with a real hand-shake and face-to-face meeting

  5. On Weave, you’ll meet founders, engineers, designers, investors, advisors, marketers, mentors, and more. You might even make your next hire, find your next job, or close your next business deal on Weave.

  6. We work hard to ensure the quality of our community.  Join our community if you believe the same things we do.

Noch spannender: Weave hat einen sogenannten Concierge Service lanciert (heute ist ja alles irgendwie Concierge): Der Haken, man muss sich bewerben und sie nehmen nur 28% der Bewerber: http://concierge.weave.in/

Concierge meetings have led to job offers, investments, and extremely valuable business for a lot of our users: 96% have opted for more meetings, a percentage we’re ecstatic about.

Offenbar muss da ein Nerv getroffen worden sein, so ist FORBES bereits mit TINDER in Gesprächen für eine eigene, tinderbasierende Business-App.

Whatsapp Community Management

Auf Hinweis in einer Facebook Gruppe zum Thema Digitales Marketing bin ich auf Recherche gegangen, wie einige Medienhäuser einen Newschannel via whatsapp bedienen, ohne dabei ständig am Handy tippen zu müssen. Das Problem: whatsapp bietet keine API an, (Artikel auf mashable – sorry no API). Da ich gerne konkrete Lösungvorschläge habe, bin ich jetzt mal ganz pragmatisch am Beispiel SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) wie sie whatsapp einsetzen und schliesse folgendes daraus.

Meine Herleitung: Android + webApp + Telefonnummer + Broadcast Liste

  1. Androidhandy kaufen
  2. Nummer lösen (prepaid will do – wlan habt ihr ja)
  3. webApp whatsapp von whatsapp nutzen (Achtung hier gibts gute Hinweise)
  4. Broadcast Liste erstellen auf dem Handy
  5. User die sich melden der Liste hinzufügen
  6. Liste nutzen über whatsapp webApp um über Infos zu „broadcasten“. Das geht am PC einiges einfacher dank Copy paste
  7. Alternativ: zB Hootsuite nebenbei nutzen um auch wirklich alle Kanäle zu bedienen

Limit Hinweis: in einigen Foren berichtet man von einem Limit von 256 Usern, bei manchen ist von 800 die Rede. Wenn das so sein sollte, brauchts wohl für jeden Redaktor eine Nummer, ich selbst habe es noch nicht bis ans Limit getestet.

image1Was sind Broadcast Listen: Eine Broadcast-Liste erlaubt es dir, eine Liste mit Kontakten zu erstellen und speichern, denen du schnell und einfach Nachrichten senden kannst. Empfänger empfangen deineBroadcast-Nachricht, wie eine ganz normale Nachricht – also direkt in einem individuellen Chat. Empfänger sehen also nicht, an welche anderen Kontakte du die Nachricht gesendet hast und sie sehen auch nicht, dass du die Nachricht von einer Broadcast-Liste aus gesendet hast. Wenn sie antworten, erscheint die Antwort in einem individuellen Chat mit dir. Die Funktion ist als ähnlich der Blindkopie Funktion bei E-Mail.

Datenschutz: Um Nachrichten an bestimmte Kontakte in deiner Broadcast-Liste senden zu können, muss der Kontakt deine Telefonnummer in seinem Adressbuch gespeichert haben. Damit haben unsere Benutzer die Kontrolle darüber, von wem sie Broadcast-Nachrichten empfangen möchten. Wir arbeiten intensiv daran, Spam in WhatsApp einzugrenzen, damit jeder Benutzer eine gutes Nachrichten-Erlebnis hat.

Achtet darauf, dass sich die User der Datenschutzbestimmungen bewusst sind „Der Nutzer versichert, dass die eingetragenen persönlichen Daten wahrheitsgemäss und vollständig sind. Der Nutzer erklärt sich damit einverstanden, dass seine Daten bei SRF registriert und elektronisch gespeichert werden. Es erfolgt keine Weitergabe der Daten an Dritte. Es gelten dieDatenschutzerklärung und die Netiquette von SRF“ (Quelle SRF) und ihr selbst auch: “You agree not to use or launch any automated system, including without limitation, “robots,” “spiders,” “offline readers,” etc. or “load testers” […] that accesses the Service in a manner that sends more request messages to the WhatsApp servers in a given period of time than a human can reasonably produce in the same period by using a WhatsApp application.” (Quelle whatsapp)

Funktionierts? Wie sind Eure Erfahrungen? Freue mich über Feedbacks und talkbacks auf @rogerbasler

Crowdfunding Kampagnen – eine Anleitung

In letzter Zeit werde ich wieder vermehrt gefragt, was es denn braucht um im collaborative Web, sprich beim Crowdsourcing erfolgreich sein. Ich habe schon früher zum Thema Crowdfunding berichtet (http://rogerbasler.com/tag/crowdfunding/) und versuch hier einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammen zu fassen.

Die Planung

Eine gute Kampagne beginnt immer sehr weit im Voraus. Das ist Offline, wie Online dasselbe. Es braucht eine stringente Umsetzungsplanung, welche 3 – 4 Monate vor der eigentlichen Kampagne auf der Plattform beginnt, die 30 bis 100 Tage auf der Plattform selbst und natürlich das mediale follow-Up kurz darauf, sowie die ständige Kommunikation mit den grössten und treusten Backers (unterstützenden Personen).

In Wellen denken

Grundsätzlich sollte man in Wellen und Sub-Kampagnen denken, welche aus den Themen: Information, Interaktion und Reaktion bestehen. Alle Elemente sollten auf den verschiedenen Kanälen (direkt, Mail, Social) abgedeckt werden und beinhalten idealerweise sehr viel multimediale Inhalte (sprich Videos über die Produkte, die Founders und kleinere, intimere Einblicke ins Projekt). Es gilt: die Backers und Interessenten wollen wissen, wem sie hier Zeit und vor allem Geld anvertrauen.

Die Multiplikation

Wer schon früh weiss, wer seine Kunden sein sollen, sollte sich auch mit den Meinungsmachern auseinander setzen. Das können Journalisten, Blogger, Produkttester, Fangruppen, Vereine, sowie Diskussionsforen oder MeetUps sein. Wichtig ist nur, dass man die Leute direkt kennt, Anknüpfungspunkte findet und sie stets vor-informiert und einbindet.

Faktor Zeit

Eine abschliessende Bemerkung sei erlaubt: der Faktor Zeit wird oft unterschätzt. Man sollte sich daher vor allem während der Hauptphase genug Zeit herausnehmen und Aufgaben auf verschiedene Schultern verteilen und den Erfolg laufend überwachen um rasch reagieren zu können (ein Dashboard und Analytics lässt grüssen). Eine wirkliches Erfolgsgeheimnis gibt es nicht, aber man kann zusammenfassend sagen:

  1. wer im Voraus stringent plant
  2. wer weiss wer seine Zielgruppe, seine Multiplikatoren und Ambassadoren sind
  3. wer den Dialog fördert, pflegt und zeitnah reagiert
  4. und ein Set an Tools und Möglichkeiten für Backers hat
  5. wird über die Kampagne hinaus Erfolg haben – es ist jedoch erst der Anfang

Plattform aus der Schweiz könnte helfen

Eine Plattform die den Erfolg voraussagen soll (auf Kickstarter) stammt aus der Schweiz. Dieses spannende Projekt heisst Sidekick (http://sidekick.epfl.ch) welches aktuelle Kickstarter Kampagnen beurteilen und deren Erfolg voraussagen soll. Selbst getestet habe ich es leider noch nicht, aber ich finde den Ansatz sehr spannend und freue mich über Feedback.

Ein paar abschliessende Tipps:

Nick NM Yap gibt im t3n wertvolle Tipps. Er war schon mit zwei Projekten auf Kickstarter erfolgreich: mit der wasserdichten Smartwatch „Omate TrueSmart “ (1.032.352 US-Dollar) und dem WLAN-Modul „Rocki “ (222.197 US-Dollar). Auf t3n.de teilt er seine besten Tipps für eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne.

  1. Starte VOR Kickstarter

„Steiger deine Reichweite, bevor deine Kampagne startet“, erklärt Yap. Ist es soweit, bleiben dir nur noch 30 Tage. Ein erfolgreicher Start legt den Grundstein für den weiteren Verlauf der Kampagne: starte wenigstens ein bis drei Monate vor der Kickstarter-Kampagne, so Yap.

  1. Mit voller Kraft voraus

„Erzähl Leuten von deinem Projekt, sei nicht schüchtern“, empfiehlt Yap als zweiten Tipp. Gib dir selbst die Aufgabe, die Freude an deinem Projekt zu teilen. Habe keine Angst vor den Bewertungen anderer und erwarte nicht, dass alle begeistert sind. Teile dein Projekt ohne grosse Erwartungen.

  1. Kenne deine Zielgruppe

Nur, wenn du deine Zielgruppe kennst, weisst du auch, wo du sie findest und welche „pledges“ funktionieren. Sind sie Geeks, Designer oder Studenten? Klär diese Fragen rechtzeitig und reagier dementsprechend.

  1. Nutze Soziale Netzwerke

Facebook, Google+, Twitter, LinkedIn, Instagram, Pinterest, Tumblr: Du musst nicht alle nutzen. „Abhängig von deinem Produkt würde ich zuerst Facebook und Google+ empfehlen, anschliessend Twitter und LinkedIn“, so Yap. „Die meisten tendieren initial zu Facebook und Twitter, doch vergiss nicht Google+.“

  1. Artikel = Unterstützer = Einnahmen

Jeder veröffentlichte Artikel bringt deinem Projekt Unterstützer. Es gibt aber ein paar grosse Websites, die dich deutlich weiter bringen als andere. „Anstatt Massenmailings zu verschicken, solltest du die Redakteure deshalb mit persönlichen und spezifischen E-Mails kontaktieren“, empfiehlt der erfahrene Kickstarter. Versuch nicht, deine Geschichte durchzudrücken, versetz dich in die Position des Redakteurs. Was will die Zielgruppe seines Mediums lesen?

Es verläuft ein feiner Grad zwischen Ausdauer und Stalking. Redakteure sind vielbeschäftigte Leute, du muss also dranbleiben. Trotzdem: Übertreib es nicht.

  1. Arbeite hart für deinen Erfolg

Der Erfolg deines Projekts erfordert Arbeit. Du musst auf Nachrichten und Kommentare reagieren, technische Fragen und E-Mails beantworten, unzählige Pressemitteilungen und E-Mails an Redakteure verschicken, deine Kollegen koordinieren – vorausgesetzt, du bist nicht allein. Laut Yap sind 16 bis 20 Stunden pro Tag gängig, sieben Tage die Woche. „Wenn du allein arbeitest, empfehle ich dir schon jetzt, ein paar Mitstreiter zu suchen“, schreibt er.

  1. Wähl die richtigen „Pledges“

„Kickstarter ist kein Onlineshop.“ Biete deinen Unterstützern attraktive „Pledges“ zu nachvollziehbaren Preisen. Kickstarter ist kein Onlineshop, reagiert aber sehr ähnlich auf Preisstrukturen. „Der Preis eines Pledges muss seiner Belohnung entsprechen“, so Yap. Das gilt auch für die Zielgruppe: Wenn du Studenten erreichen willst und deine Pledges ab 500 US-Dollar starten, läuft etwas falsch.

  1. Setze ein realistisches Finanzierungsziel

Bleib realistisch. Dein Ziel sollte nicht deinen Wünschen, sondern deinen Anforderungen entsprechen. „Ein Beispiel: Du würdest gerne 300.000 US-Dollar einsammeln, für die Umsetzung deines Projektes reichen aber 100.000 US-Dollar. Dann nutz die besagten 300.000 US-Dollar für deine interne Planung und setz die 100.000 US-Dollar als offizielles Finanzierungsziel.“

Wer noch nicht genug hat, kann übrigens einen 3 wöchigen Workshop buchen, bei Wolfgang Gumpelmaier, seines Zeichens ein Experte und ausgewiesener Autor unter anderem furs t3n Magazin: http://ununi.tv/de/edushop/crowdfunding-in-3-wochen/

Weiterführende Infos gibts:

Auf HR Online: http://www.hr-online.de/website/radio/hr4/index.jsp?rubrik=6656&key=standard_document_53275347

The Future of Crowd-Funding: http://www.future-crowdfunding.de/publication/

Kostenloses Handbuch (Pay with a tweet): http://www.ikosom.de/publikationen/crowdfunding-handbuch-2013/

Wer finanziert mein Startup?

Geld regiert die (Startup-)Welt und jeder der sich einmal überlegt hat, eine Firma zu gründen kam einmal an den Punkt: Ich brauche Geld. Was macht man also? Meist googeln und nach dem Zauberer von Oz suchen, den es – vorweg genommen – nicht gibt. Weder bei Dorothy noch im richtigen Leben war es ein Zauberer, sondern ein gewöhnlicher Mensch. Und so ist es auch in der Startup Szene und insbesondere bei Gründungskapital: es menschelt sehr. Nachfolgende Zeilen schreibe ich nach fast 5 Jahren als Startup-Entrepreneur und Unternehmens-Architekt. Konstruktives Feedback ist wie immer sehr willkommen.

Die Grundfrage: warum und wofür

Wer googelt – und dabei auch auf diesen Beitrag gestossen ist – hat eigentlich die falsche Grundfrage gestellt. Denn oft gelangen Anfragen an mich im Stile von: Ich brauche 20’000, 50’000, 500’000 Franken – können Sie helfen oder kennen Sie jemanden? Das ist falsch und eine sehr negativ behaftete Herangehensweise. Denn es geht um ein Geschäft. Ein (hoffentlich) profitables Geschäft in dem man gibt und bekommt – gegenseitig. Sie haben eine tolle Idee, jemand anderes hat Kontakte, Finanzquellen oder Wissen und Know-How. Hier trennt sich aber schon die Spreu vom Weizen. Denn die Frage ist: wozu brauchen Sie das Kapital? Möchten Sie sich während 6 oder 12 Monaten auf die Entwicklung eines Produktes konzentrieren und zwar Vollzeit und können darum nicht arbeiten? Dann brauchen Sie Ihr eigenes Erspartes oder Sie gehen zum Verein Go Selbständig und beantragen einen Mikrokredit (der aber zurückbezahlt werden muss).

Oder Sie sind im sozialen oder umwelttechnischen Bereich tätig, dabei kann man auf Sosense oder Social Impact. Wer hier tätig ist sollte sich aber vorgängig beim SEIF und beim Impact Hub informieren. Die Social Entrepreneurship Initiative & Foundation (seif) sowie Impact Hub sind Organisationen, die Wissen, Ressourcen und das unternehmerische Potenzial aller Akteure der Social Entrepreneurship Community zusammenbringen, um einen möglichst hohen Social Impact zu erzielen und helfen gerne weiter und können eine realistische Einschätzung geben, den Start erleichtern und Synergien aufzeigen.

Niemand bezahlt Ihnen den Lohnausfall

Grundsätzlich gilt: kein Investor, ob Businessangel oder Venture Capitalist, ob Serial Entrepreneur oder Private Equity Firma wird Ihnen de facto Ihren Lebensunterhalt finanzieren, beziehungsweise Kredit dafür geben. Dafür gibt es:

  • Eigenes Erspartes
  • Pensionskassenvorbezüge
  • Teilzeitjobs
  • Familie – Freunde – Verrückte (auf Englisch family-fools-and-friends)

Bei Startupfinanzierungen gehts ums Geschäft nicht um einen Gefallen. Es geht darum, dass man eine Idee und dann die Firma (Organisation) und schlussendlich das Team dahinter unterstützt – mit dem Ziel, dass Sie innert 2 – 4 Jahren profitabel sind und sich das Investment auszahlt für den Geldgeber: entweder durch einen Verkauf der Beteiligung (Secondary) oder einen Gesamtverkauf der Firma (Trade Sale), einen Börsengang (IPO) oder was man sich alles ausmalen kann. Aber bleiben wir realistisch: 9 von 10 Startups scheitern und der Grund warum Venture Capitalisten und Businessangels mehrere Unternehmensbeteiligungen halten ist schlicht und ergreifend Risikominimierung und Ressourcen Allokation. Scheitert eines oder mehrere Startups, so hofft man doch, dass das eine welches überlebt, die Verluste wieder wett macht. Kurzum: Ihr Lohnausfall ist Ihr Risiko, für alles andere, sofern es einen Plan mit Aussicht auf Erfolg gibt, können Sie Finanzierungen beantragen. Sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

Aber wer finanziert denn nun was?

Kommen wir zurück auf die Grundfrage und gehen wir anschliessend auf die Grundvoraussetzungen zurück. In der Schweiz gibt es zum Glück zahlreiche Möglichkeiten auf die man zurückgreifen kann. Aber beachten Sie: Alleine im Jahr 2013 wurden rund 40’000 Gründungen vollzogen (Quelle: Bisnode Studie). Nehmen wir an, dass nur 20% einen entsprechenden Kapitalbedarf beantragten, so sind das 8’000 Antragssteller im Jahr die sich auf eine sehr beschränkte Anzahl von möglichen Finanzierungsquellen legt (der Vergleich hinkt ich weiss, gehen doch einer Finanzierung oft 1 – 2 Jahre Kapitalsuche voraus, aber die Systematik ist dieselbe):

  • Banken (allen voran die AKB und die ZKB) für Projekte zwischen 50’000 bis 200’000 (aber keine Gründungen)
  • Stiftungen (vor allem für Projekte mit Social Impact wie die Avina Stiftung) bis max 100’000.-
  • Business Angels Netzwerke (wie BAS und Startangels) mit Tranchen von 10’000 bis 50’000.-
  • Venture Capital Firmen (wie zB Brains-To-Venture oder Red Alpine) mit Tranchen von 100’000 aufwärts und oft nur im Verbund
  • Startuppreise (eine Übersicht gibt es hier) in unterschiedlichen Grössen aber mit viel Bewerbern – hier gehts auch oft um die PR um den Preis herum
  • Direkt bei Investoren (eine Liste mit guter Übersicht gibts hier auf startup.ch)

Nehmen wir also an dass viele Investoren in einem Netzwerk oder einem Businessangel Club dabei sind, bleiben 5 potentielle Geldgeberquellen, die sich also rund 1600 Anträge pro Jahr aufteilen und sichten müssen (manche erhalten natürlich mehr, manche weniger, aber pro Tag 1 – 2 können es schon sein, bei Startuppreisen ist es konzentrierter). Diese rund 1 – 2 Anträge pro Tag zu sichten und zu beurteilen ist eine Mammutaufgabe und glauben Sie mir wenn ich sage: jede Idee ist unglaublich gut und hat das ultimative Potential und ist die Chance des Universums das nächste Facebook, Tesla oder Coca Cola zu werden und ein jedes Investment ist nach 2 Jahren vollständig amortisiert. Die Realität jedoch ist eine andere: die wenigsten Ideen sind durchdacht, oder haben einen Prototypen oder eine vertiefte Marktstudie hinter sich (Anmerkung in eigener Sache: auch meine eigenen Ideen sind oft an der Machbarkeit gescheitert).

Die Hockey-Stick Lüge

Als Hockey-Stick bezeichnet man Finanzpläne bzw deren Entwicklungen die erst wenig und dann raketenartig in den Himmel steigen (wie ein Hockeschläger also). Jedoch kann man aus eigener Erfahrung zeigen: neben Geduld als Gründer braucht es vor allem Zeit. Selbst ein E-Commerce Startup benötigt 2 Jahre für eine erste Etablierung, Technologieunternehmen brauchen etwas länger (ausser der Prototyp ist bereits ready) und auch Restaurants, selbständige Berater und andere Dienstleistungen brauchen 1 Jahr für die Orientierung und erste Kunden, 2 Jahre für eine positive Umsatzentwicklung und rentieren nach 3 bis 4 Jahren. Je nach dem in welchem Bereich Sie tätig sind: seien Sie kritisch und realistisch: der fehlende Umsatz oder die entsprechenden Re-Investitionen müssen eingerechnet sein, denken Sie an die 9:10 Regel bei Startups, den meisten geht das Geld unterwegs aus, selbst wenn die Idee hervorragend war. Ken Morse, Direktor des MIT Entrepreneurship Center hat es einst treffend formuliert: Cash Flow is more important than your mother (das Zitat hat es sogar zu einem Akronym geschafft: CFIMITYM).

Die „richtige“ Vorgehensweise

Sie haben es erraten: Eine ultimative Vorgehensweise gibt es nicht, aber man kann ein paar Fallstricke umgehen. Namentlich:

  1. Erstellen Sie eine saubere Marktanalyse ohne Hochrechnungen
  2. Schreiben Sie einen Businessplan und zeigen Sie das Problem auf welches sie lösen
  3. Schreiben Sie einen Aktionsplan aus diesem Businessplan in kleinen Schritten und wenn Sie haben: erste Erfolge daraus
  4. Präsentieren Sie ein Team – keine Einzelkämpfer. Denn skalieren können Sie nur im Verbund, nie alleine
  5. Entscheiden Sie sich für eine passende Rechtsform und denken Sie dort schon an mögliche Investoren (eine AG hilft hier enorm, ist aber vom Grundbedarf grösser)
  6. Tragen Sie Ihre Firma ins Handelsregister ein und arbeiten Sie an der Idee jeden Tag – das zeigt Investoren, dass Sie es ernst meinen
  7. Sorgen Sie aber entweder für genügend Backup Kapital durch Family-Fools-and-Friends oder sorgen Sie für passives Einkommen
  8. Lassen Sie sich beraten: von Startbiz, Ihrem Treuhänder oder Anwalt Ihre vertrauens
  9. Informieren Sie sich auf dem KMU Portal des Bundes: Jedes Jahr gründen rund 3’800 Unternehmerinnen und Unternehmer eine Firma über diese Plattform.

Wenn Sie am Berg stehen: Nummer 10: Lassen Sie sich nicht entmutigen, aller Anfang ist schwer – und Fragen kostet nichts. Ich helfe gerne weiter, aber seien Sie vorbereitet.

Eine gute Einsicht in die Vorgehensweise bietet übrigens Juliane von B-to-V in Interviewform auf Venturelab: Tipps von einer Investment Managerin

Und eine abschliessende neue Form ist übrigens Corporate Ventures: hierzulande namentlich durch IT- und Handelsunternehmen, sowie durch die SBB vertreten (Artikel im Wall Street Journal)