Zeit statt Zeug

Für einmal etwas sehr un-unternehmerisches, oder vielleicht doch nicht? Denn heute bin ich über eine Seite gestolpert, deren Ideen, Umsetzung und Ziele ich sehr schön finde: www.zeit-statt-zeug.de

Zeit statt Zeug Screenshot

Worum geht es? Schon Erich Fromm wusste: Sein ist wichtiger als Haben. Kostbarer als mehr „Zeug“ ist was? Genau, das Gut, welches wir momentan nicht mehr zu haben scheinen: Zeit. Die sympathische Aktion aus Deutschland „Zeit statt Zeug“ gibt Ideen für Zeitgeschenke. Statt ein Kochbuch zu verschenken, kann man ja gemeinsam kochen, oder wie wäre es mit einem gemeinsamen Strickabend (Freunde von mir haben gerade letzthin angefangen zu häckeln, scheint ein Trend zu sein) statt dem nächsten Gegenstand, der im Regal verstaubt? Im Angebot stehen ausserdem ein Fahrradreperaturworkshop, eine Nähmaschineneinführung, gemeinsam kochen, lesen oder spatzieren.

Die Online-Plattform zeit-statt-zeug.de ist wie ein normaler Online-Shop aufgebaut  – mit einem großen Unterschied: Statt Standard-Geschenken kann der User gemeinsame Zeit verschenken. Wer ein Geschenk ausgesucht hat, kann eine Karte erstellen (ein paar Designs stehen zur Auswahl) und danach kann man diese einfach per E-Mail versenden. Damit das Ereignis nicht wie andere Gutscheine uneingelöst in einer Schublade verschwindet, wird gleich ein Termin mit verschickt – et voilà.

Gemäss den Initianten möchte „Zeit statt Zeug“ auch über das Weihnachtsfest hinaus zu „anderem Schenken“ anregen. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Ideen ist deshalb bereits in Planung.

Was denkt Ihr dazu? Feedback welcome!

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Von Marmeladengläsern und Golfbällen

Wenn Du dich überfordert fühlst, wenn 24 Stunden an einem Tag nicht mehr reichen, dann erinnere Dich an die Geschichte von dem Marmeladenglas, den drei Kisten und den zwei Bier.

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Wenn Firmen mehr Geld als Staaten haben

Auch wenn die Zahlen nur schwer vergleichbar sind: Apple hat mehr Geld als der US-Staatshaushalt:  USD 76,16 Milliarden, das stand letzten Monat in der Presse

Ich wollte mehr wissen, also habe ich ein wenig rechechiert und zusammengetragen, was zum nachdenken anregen sollte: 2005, oder in Bezug auf das iPhone vor dem Jahr Null, hatte Apple „nur“ USD 9 Milliarden in der Kasse. Seitdem hat Apple dank iPhone 3 und 4, sowie dank dem iPad und anderen Innovationen kräfig zugelegt. Derzeit hat Apple mehr Spielraum als der US Staat und gleichzeitig könnte Apple damit Nokia ($22.6 Milliarden), RIM ($13.8 Milliarden), HTC ($25.4Milliarden) und Motorola ($4.2 Milliarden) kaufen, für „nur“ USD 66 Milliarden – Cash versteht sich. Damit ist Apple übrigens auch reicher als Libyen, Kenya und Luxemburg (Quelle IMF)

Das doppelte Problem für die USA dahinter: Apple produziert zu einem Grossteil im Ausland: „Assembled in China“ – zusammengesetzt in China steht in kleinen Lettern auf der hinteren Abdeckung. Dabei gehen die vollen Herstellungskosten von USD 179 in die Handelsbilanz der USA ein. Und zwar als Import aus China, der das viel diskutierte Handelsbilanzdefizit noch verschärft. In Summe vergrösserte das iPhone das US-Handelsbilanzdefizit um USD 1,9 Milliarden. Das entspricht 0,8% des gesamten Defizits.

Es geht noch weiter: Letzte Woche legte die Financial Times Deutschland noch einen drauf: Apple ist an der Börse so viel wert wie alle 32 grössten Banken der Euro-Zone zusammen. Der US-Technologiekonzern kostete am Freitag 19. August 2011 USD 340 Milliarden, das ergaben die Daten des Finanzdienstleisters Thomson Reuters. Der STOXX-Index für die Euro-Zone-Banken rutschte gleichzeitig vier Prozent ab, womit seine 32 Werte mit weniger als USD 340 Milliarden notiert wurden.

Übrigens, die Schweiz hat, gemessen am Bruttosozialprodukt (engl. GDP) an der Börse gelistete Unternehmen, welche 234.7% des GDP ausmachen – damit belegen wir den Bronzeplatz im Sinne von „too big to fail“, gleich nach (Quelle Weltbank.) Da wundert es einen nicht, dass Anleger den Firmen eher vertrauen als den Ländern – übrigens hier ist „history repeating“ angesagt, das war nämlich bereits letzten Winter der Fall wie „Die Welt“ damals berichtete.

Was denkt ihr? Folgen und Reaktionen?

Aufruf an die Generation Digital!

Selten hat mich ein Artikel so inspiriert wie dieser hier – Digital Natives gegen Analoge Exiles! Ich stimme Herrn Dueck mehr als zu, was es braucht heute sind Leute, die Verantwortung übernehmen, nicht nur konsumieren, Persönlichkeiten, die soziale Gewandtheit, emotionale Intelligenz, Managementtalent, Verhandlungsgeschick, Selbstverantwortung und Unternehmergeist mitbringen – in diesem Sinne: lesen und weiterverbreiten!

Aufruf an die Generation Digital!

Die Eingeborenen des Internetzeitalters müssen endlich rauskommen aus ihrer Höhle. Ihre Mission ist keine geringere, als die Gesellschaft neu zu erfinden. von Gunter Dueck. Herr Dueck ist Chief Technology Officer bei IBM Deutschland und gilt als Vordenker der digitalen Welt. Er ist Professor der Mathematik und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt „Aufbrechen! Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“.

Die Zukunft ist digital. Das Internet ist ihr neues Leitmedium. Und unser Heimatland ist bald ganz in das globale Dorf eingebettet, zu dem die Welt wird. Wir stehen jetzt schon seit vielen Jahren vor (!) „dramatischen Veränderungen“, von denen wir uns in der Presse erschauernd angsterfreuen lassen. Jetzt wird es Zeit anzupacken. Nicht nur, weil es schon Leute in Singapur tun, sondern einfach, weil das Vorangehen mehr Freude macht als das Nachmachen mit der Peitsche im Rücken. Und wer soll anpacken? Die Digital Natives natürlich, die Eingeborenen des digitalen Zeitalters! Es steht doch schon an allen Wänden „Power is changing hands“. Aber was soll neu erfunden werden?

Bei Platon und Aristoteles steht ja schon, wie man einen Staat aufbaut. Jeder kommt auch selbst darauf, so tiefsinnig ist es nicht. Für jede Infrastruktur wird eine Organisation benötigt, also zum Beispiel für die Landwirtschaft, den Handel, die Armee, die innere Sicherheit, die Energieversorgung, den Verkehr und so weiter. An die Spitze einer jeden Infrastrukturorganisation steht ein Minister. Der hat seinen Kompetenzbereich und sein Ressort. Jetzt kommt aber als neue Infrastruktur das Internet hinzu. Und alle haben natürlich sofort die Idee, ein Ministerium für die Verlegung von Glasfasern zu gründen.

Diesmal ist es aber anders: Das Internet wirkt in den Verkehr, die Energieversorgung, die die Verteidigung, den Handel – kurz: in alle Bereiche hinein und gehört dort überall schon jetzt oder sehr bald zum wichtigen Kernbereich dazu.

Schauen Sie Ihren Computer an, auf dem viele Anwendungen wie Textverarbeitung, Datenbanken, E-Mail oder SAP laufen. Diese Anwendungen können nur dann sinnvoll funktionieren, wenn sie auf einer gemeinsamen Plattform stehen, die beim Computer Betriebssystem heißt. Das Betriebssystem erledigt all jene Aufgaben, die viele Anwendungen brauchen. Im Betriebssystem ist ökonomisch sinnvoll alles nur einmal programmiert, was sonst getrennt in jeder Anwendung immer noch einmal vorhanden sein müsste.

In diesem Sinne bildet das Internet rund um Cloud-Computing – also das Auslagern von Daten und Programmen ins Netz – eine Art Betriebssystem für die Gesellschaft der Zukunft. Leider erfinden gerade alle Infrastrukturen und alle Minister das Internet in ihren Ressorts so ein bisschen selbst und dabei ganz widerwillig neu. Ein Ressort ist „fest umrissen“, so war es allezeit seit Platon und Aristoteles. Das Internet verfilzt nun aber alles. „Die Komplexität steigt!“, klagen Manager und Politiker, aber im Grunde verstehen sie nicht, dass wir nun unter den Ministerien beziehungsweise den Unternehmenszentralen ein Betriebssystem brauchen, das den Kern der gemeinsamen Verwaltung bereitstellt. Das Fehlen dieses Betriebssystems erzeugt die Komplexität.

Digital Natives, das Gesellschaftssystem muss neu erfunden werden!

Viele Berufstätige verwenden einen großen Teil ihrer Arbeitszeit dafür, Informationen einzugeben, zu verändern, zu suchen, weiterzugeben und Auskünfte zu erteilen. Das betrifft Ärzte, Rechtsanwälte, Reisebüros, Headhunter, Wissenschaftler, Bankberater, Versicherungsagenten, Lehrer, Professoren, Unternehmensberater, Journalisten und Beamte aller Art. „Ich bin in der Familienkasse dafür zuständig, die Immatrikulationsbescheinigungen der Studenten aktuell zu halten, damit das Kindergeld korrekt ausgezahlt wird. Dazu führen wir einen ausufernden Schriftwechsel mit Eltern, die wiederum mit deren Studentenkindern und die wieder mit den Universitäten. Wir alle zusammen arbeiten zuverlässig daran, die Information ,Ja‘ von der Uni auf den langen Papierweg in den PC der Familienkasse zu bringen.“

Wir stöhnen unter solchen Steinzeitorganisationen. Wir erleiden täglich unsere Flachbildschirmrückseitenberatungen. Wir wollen eine Reise, einen Fonds, eine Versicherung, ein Ticket – und immer starren wir dazu einen Flachbildschirm von hinten an, auf dessen Vorderseite jemand für uns surft oder an alter Software scheitert. Wir haben aber doch schon gesurft, lieber Banker, Reiseagent, Arzt oder Rechtsanwalt! Wir brauchen nur noch das, was wir nicht durch Surfen selbst erledigen können. Das aber wird immer weniger. Das Einfache der Berufe wandert ins Internet. Informationen erteilen oder auf Papier hin- und herschicken ist kein Beruf mehr. Alle Routineaufgaben werden beim „Discounter Internet“ erledigt.

Wer noch irgendwo Information braucht, kommt dann natürlich mit einem komplizierten Fall, für den er einen wirklichen Professional braucht.

Sehr viele Berufe verlieren sehr viel Arbeit dadurch, dass die meisten Menschen den einfachen Fall der reinen Informationssuche selbst erledigen können. Diese Berufe verlieren einen großen Teil ihres profitablen Geschäfts. Sie bleiben dann auf den schwierigen Beratungs- und Verwaltungsvorgängen sitzen, die so anspruchsvoll sind, dass man sie nicht automatisieren kann. Deshalb braucht Deutschland demnächst immer dringender Fachkräfte. Alles andere wird im Internet automatisiert oder von Niedriglohnjobbern erledigt.

Digital Natives, die Berufe müssen neu erfunden werden!

Komplexe Aufgaben verlangen nicht nur Fachkönnen (das wird sogar zum guten Teil vom Internet geliefert), sondern soziale Gewandtheit, emotionale Intelligenz, Managementtalent, Verhandlungsgeschick, Selbstverantwortung, Unternehmergeist – eben all das, was heute in Stellenanzeigen so gefordert wird. Darüber amüsieren sich viele: „Haha, man soll jetzt alles können!“ Liebe Leute, man muss es.

Unser Bildungssystem aber trichtert vor allem ein, was schon im Internet steht. Wir lernen nicht, professionelle Menschen zu sein oder Persönlichkeiten zu werden. Wir werden nicht auf das Komplexe vorbereitet. Manager behandeln ihre Mitarbeiter wie unmündige Menschen, die dressiert werden müssen, bestimmte Handgriffe zuverlässig wieder und wieder auszuführen. Die Standardisierung der Arbeit führt viele von uns in einen halb automatisierten Niedriglohnjob, weil gerade alle Dienstleistungen auf Teufel komm raus industrialisiert werden. Diese Industrialisierung des Einfachen macht viele von uns zu immer niedrigeren Fließbandarbeitern, die bald gar nicht mehr gebraucht werden.

Die aber, die übrig bleiben, sollen ungleich professioneller sein als jemals in der Menschheitsgeschichte. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir unsere Professionalitätsstandards dramatisch erhöhen, wie wir unseren Nachwuchs coachen, ob wir vielleicht zu Einzelunterrichtseinheiten mit Internethausarbeit übergehen sollten. „Persönlichkeit“ wird nicht gelernt, sondern erworben – es geht dabei immer um Coaching, Training und Mentoring – nicht um bloßes Frontalunterrichten. Lernt man Fußball, Ballett, Geige oder Theaterspiel durch Frontalunterricht? Nein. Und Verhandeln, Managen oder Projektleitung auch nicht. Alle wissen, dass man mit Geige, Ballett oder Schachspielen früh anfangen muss, wenn es gut werden soll. Aber Managen, Verkaufen, Kommunikation erst nach dem Doktor mit 30?

Digital Natives, die Menschen müssen neu erfunden werden!

Wer erfindet denn nun neu? Die Politiker betreiben Politik für Arbeiter, Selbstständige, Bauern, Christen, Beamte, Verwaltungsangestellte. Das sind sie aus der alten Welt so gewohnt. Sie verstehen nicht, dass es diese Klassen im digitalen Zeitalter gar nicht mehr gibt. In der näheren Zukunft werden wir eine Mittelschicht der Hochprofessionellen sehen und eine Schicht derer, die der Dienstleistungsindustrialisierung zum Opfer fallen und in Niedriglohnbereiche abdriften. Werden wir Parteien haben für „Professionals“ und „Unprofessionals“? Kümmert sich jemand darum, möglichst viele Menschen in den Bereich der Professionals hineinzubringen?

Die Politiker nicht, sie sind nicht einmal Digital Immigrants, eher Analog Exiles. Wen soll ein Professional des digitalen Zeitalters wählen? Das weiß er nicht. Er wählt überhaupt nicht, dasselbe wie beim letzten Mal oder aus Verzweiflung Grün. Erkennt denn keiner den Erdrutsch des digitalen Zeitalters?

Ja, doch, die Digital Natives erkennen ihn, die Blogger oder Facebook-Jünger, die sich neuerdings in demokratischen Revolutionen hervortun – woanders. Sie stecken alle im Internet und freuen sich über ihre tolle Digital Community. Sie werden böse, wenn die normale Welt sie stört. Sie kämpfen für die Freiheit des Internets. Das ist gut! Aber doch lange nicht genug.

Digital Natives, Ihr seid die Generation, die ein neu erfundenes Deutschland führen wird. Auf Euch wartet mehr Neubauarbeit als auf fast jede andere Generation. Bleibt nicht unter Euch! Kommt in die Welt! Lest Platons Höhlengleichnis von dem einen, der das Licht draußen sah und die Kunde vom Licht den Ungläubigen hereinbringt. Lasst nicht nach, wenn es eben diesen Unglauben noch lange geben wird. Werdet die treibende Kraft. Versteht die Verantwortung Eurer Generation. Lasst Euch das von mir Altem nicht immer sagen lassen müssen. Los!

(Quelle: http://m.ftd.de/artikel/60048143.xml?v=2.0)

Warum an 8 Stunden Schlaf nicht zu denken ist…

Es ist Frühling und wer gähnt da nicht ab und zu und einmal zu viel? Doch woher diese Müdigkeit? Woher dieses schläfrige Gefühl? Vielleicht hilft es zu wissen, dass wir nicht für 8 Stunden Schlaf gemacht sind. Nein, 12 müssen es sein, oder mindestens 10 sagen die einen, ich brauche nur 4 sagen die anderen. Und irgendwie hat keiner Recht. Die Mode von 8 Stunden Schlaf ist nämlich eine Mär der Industrialisierung. Die Fabrikbesitzer wollten damals ausgeschlafene Arbeiterinnen und Arbeiter. Also hatte man seinen Tag neu nach der Stechuhr zu richten und nicht mehr nach der Arbeit auf dem Felde und zu Hause.

Mann schläft auf Kette
http://www.ariva.de/schlafen_a159222

90 unterschiedliche schlafbezogene Störungen lassen sich heute definieren: Da gibt es die Insomnien, die Parasomnien und die Hypersomnien, das nächtliche Zähneknirschen, das Restless-Legs-Syndrom, die Schlafapnoe, die Narkolepsie, sonambulische Wanderungen und die gespenstischen REM-Schlafstörungen. Doch woher kommt dieses „neuzeitliche“ Phänomen der „Schlaflosigkeit“? Warum sind junge Menschen kaum aus dem Bett zu kriegen am Morgen und warum sind ältere Menschen ebenfalls wieder früher wach? Antworten dazu finden wir, ca. 2 Millionen Jahre zurückblickend in der Sippe: damals gab es keine Uhren, keine Tageszeiten und fixe Muster. Es wurde gelebt, gejagt, geschlafen und gewacht, zusammen gepackt und weitergezogen. Jede Altersgruppe hatte dabei ihre Aufgabe. So waren die „Teenager“ die besten Jäger, also bis spät in die Nacht noch unterwegs und am arbeiten – die Sippenältesten wiederum wachten über den Nachwuchs, während deren Eltern mit anderen Arbeiten beschäftigt waren. Was wir also erleben sind nicht anderes als evolutionäre Muster.

Untersucht man Schlafkulturen indigener Völker, etwa der in Botswana oder im Kongo, die Tagesschläfer in Indien oder sogar die (leider abgeschaffte) Siesta in Spanien: der Schlaf ist viel mehr in das soziale Leben eingebunden bei uns. Hier lässt sich das alte Muster sehr gut erkennen: Man schläft zumeist in Gruppen; Männer, Frauen, Kinder, Haustiere zusammen. Immer wieder stehe jemand auf, es gibt Wachpausen, Hühnergegacker, kurze Gespräche, Feuergeknister. Man lacht, schwazt, arbeitet und wenn man müde ist: legt man sich hin. So findet man zwar in unseren Breiten in den meisten Wohnungen und Häusern stets separate Schlafzimmer, das ist aber eine relativ neue Errungenschaft. Noch im späten Mittelalter schliefen viele Menschen gemeinsam in einem Raum, der nicht nur zum Schlafen, sondern auch zu vielen anderen Zwecken des Lebens und Beisammenseins diente. Berühmt ist der Schlafraum des französischen Königs Ludwigs XIV., der nicht nur die räumliche Mitte des Palastes, sondern so etwas wie das Herrschaftszentrum des Königreichs bildete. Das morgendliche »Lever du Roi« – der Empfang durch Seine noch im Bett ruhende Majestät – war das wichtigste gesellschaftliche Ereignis des Tages.

Zurück zu unseren alten Mustern und warum wir oft nicht durchschlafen können (rund 40% der Erwachsenen „leiden“ darunter): Die meisten Menschen Westeuropas schliefen in den meisten Nächten in zwei längeren Zeitabschnitten, die von einer mindestens einstündigen Wachphase irgendwann nach Mitternacht unterbrochen war – um sic. „zu rauchen, nach der Zeit zu sehen oder das Feuer zu versorgen“. Was heute als schnöde Durchschlafstörung diagnostiziert wird, wäre demnach häufig nur eine Wiederkehr dieses alten Musters. Der nahtlose Schlaf, den wir heute anstreben, ist eigentlich demnach etwas Gemachtes, eine Erfindung der modernen Welt um ausgeschlafene Arbeiterinnen und Arbeiter in den Stollen oder in den Fabriken zu haben. Erfinder dieser Idee ist Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) seines Zeichens preussischer Leibarzt „Die Arbeiter sollten ausgeruht dem Rhythmus der Fabriken folgen können, ohne zwischendurch ein Nickerchen zu benötigen.“ Und so kommt es, dass manche damit besser klarkommen als andere, manche gar nicht und diese Menschen werden dann, zu Unrecht, als Faulpelze abgestempelt. Dabei ist es einfach nicht ihre Zeit um wach oder bei der Arbeit zu sein.

Darum fodern Schlafforscher seit einigen Jahren eine Abkehr von gesellschaftlichen Normen im Zeitalter der Wissensgesellschaft – die Industrialisierung haben wir schliesslich hinter uns gelassen. Das bedeutet den Alltag den Zielgruppen anzupassen, wie zum Beispiel dem realen Schlafverhalten von Jugendlichen: dazu müsste man den Unterrichtsbeginn nach hinten verlegen. Man könnte auch viele kleine Schlafpausen in U-Bahn und Büro einlegen – ein Bild, dass man übrigens in der S-Bahn nach 17Uhr oft sieht.

Und was spricht gegen die Siesta an langen Sommertagen? Fest steht: alle unglücklichen Schläfer schlafen schlecht, aber gut schlafen kann man auf viele verschiedene Weisen. Man muss nur seinen Rhythmus finden – und einen Arbeitgeber, der damit umgehen kann.

Übrigens: Frauen schlafen im Durchschnitt schlechter, wenn ein Mann im Bett ist, weil sie sich – so die evolutionspsychologische Spekulation – für ihn verantwortlich fühlen: „Schlafen beim Partner bedeutet für Frauen Schlafen an der Arbeitsstelle Familie“, sagen Forscher. Männer hingegen würden sich an die Ur-Rotte erinnern und denken: „Schön, da ist jemand, der auf mich aufpasst.“ Na dann: schlaft gut.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tageszeit#Tageszeiten_des_Mittelalters_und_der_fr.C3.BChen_Neuzeit
http://www.pharma.uzh.ch/static/schlafbuch/KAP1.htm
http://www.sueddeutsche.de/wissen/nacht-und-geld-das-geschaeft-mit-dem-schlaf-1.1004359