Das sind die Trends 2017 – für Unternehmen und Startups

Expertenmeinungen gibt es immer wieder. Spannend wird es, wenn wir Annahmen treffen zu den Trends 2017 in den Bereichen E-Commerce, Social Media und Human Resources? Ich wage einen Ausblick:

Warum setzt Google auf Mobile?

Mobile ist 2017 keine Wahl mehr, sondern Pflicht. Dabei ist es egal, ob es um Inbound, SEO, Social Media oder E-Mail-Marketing geht. Dabei handelt es sich mitnichten um einen neuen Trend. Google hat 2016 aber noch einmal nachgelegt und führt nun einen eigenen Mobilindex und den mobilen Webstandard AMP ein. Die Mehrheit aller Suchanfragen kommen bereits heute von Smartphones und bei sozialen Netzwerken sind zwischen 70 oder 80 Prozent der Seitenaufrufe von Mobilgeräten – oder wann haben Sie sich das letzte Mal aus Facebook ausgeloggt. Alles in allem ist 2017 das wichtigste Jahr für die Mobiloptimierung schlechthin und wer das noch nicht weiss, sollte sich dringend hier informieren, denn Mobile ist nicht gleich Mobile.

Was erwarten Kunden vom E-Commerce?

Die klassischen Warenhäuser und Läden verschwinden und werden immer mehr durch Pick Up Stationen ersetzt. Click & Collect, als Thema. Denn Kunden legen immer grösseren Wert auf kürzere Lieferzeiten. Druck kommt vor allem durch Amazon Prime und auch bei den Digitalen Händlern von Elektronikartikeln haben sich Same-Day-Delivery-Angebote in der Schweiz im letzten Quartal 2016 etabliert, und werden sich in Zukunft wohl auch in anderen Produktbereichen mehr durchsetzen. Lieferzeit und Rückgabeoptionen entwickeln sich immer stärker zu entscheidenden fast strategischen Erfolgsfaktoren. Das gilt auch in der Schweiz und die Grossen haben das bereits erkannt: ob STEG mit notimeBrack per Velo oder notime, Swisscom, Siroop, Fust mit Instore Picking oder die M-Pick-Up Konzepte der Migros und ihrer Töchter: Kunden wollen offenbar das Haupterlebnis, den sofortigen Kauf, auch online. Adieu Einkaufszentrum, willkommen Logistikhub – das hat auch Alibaba verstanden. Alibaba, Taobao und Tmall haben auch viele europäische Kunden. Jetzt wollen die chinesischen Onlinekaufhäuser näher an die Käufer ran und verhandeln ein Versandzentrum in Südosteuropa für den gesamten Kontinent. Alibaba verhandelt unter anderem mit der Regierung in Bulgarien, um ein Versandcenter in dem europäischen Land zu errichten. Das gaben die Regierung des Landes und die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bekannt.

Wird Social Media zum Verkaufskanal?

Das „Social Media kann verkaufen Konzept“, wurde oft erwähnt aber durchgesetzt hat es sich noch nicht – wird es wohl auch nicht. Denn der Anspruch über Social Media zu verkaufen deckt sich nicht mit dem Anspruch der Nutzer. ABER: 2017 wird sich etwas Match entscheidendes ändern. Was? Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Pinterest haben ein sehr eigennütziges Interesse daran die Plattformen für Marken und Unternehmen attraktiver zu machen. Das wurde 2016 bereits getestet mit neuen „Buy Buttons“, den Möglichkeiten von Services und diverser Call to Action und wird sich auch auf Messenger ausweiten (wie Facebook schon erfolgreich getestet hat).

Was hat Human Ressources noch zu tun?

Algorithmen werden immer mehr den Recruiter und Personaler ersetzen. Das heisst, nicht mehr der Mensch sucht und scant und beurteilt Kandidatinnen und Kandidaten, das übernimmt Software. Aktiv wie auch passiv. Warum? Die klassischen Methoden funktionieren einfach nicht mehr. Gemäss der Untersuchung „Recruiting Trends 2017“ des ICR hatten 96 Prozent der Arbeitgeber in Deutschland 2016 Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen mit geeigneten Bewerbern. Bei einigen bedrohe der Fachkräftemangel sogar bereits das Geschäft. 2017 soll vermehrt auf Social Recruiting mit Bots und Software gesetzt werden. Gemäss der erwähnten Studie werden 54 Prozent der Arbeitgeber wollen mehr Geld aus ihrem Personalbeschaffungsbudget für Xing und Linkedin ausgeben. 29 Prozent planen, der Untersuchung zufolge, Aktivitäten auf Facebook & Co.

Wie entwickelt sich das Internet der Dinge?

Noch haben wir alle Freude an den tollen Dingen, die uns sprechende Glühbirnen, selbstfahrende Autos und intelligente Thermostaten und Staubsauger liefern. Noch. Denn die Ziele der Hacker sind nicht mehr Webseiten. Gehackt wurden Gruppen von IoT-Geräten mit einer so genannten DDoS Attacke (Botnet-Angriff) und von diesen aus konnten via Server mit geballten Ladungen von Anfragen zum Erliegen gebracht werden. Oder einfach formuliert: «Ein Netzwerk, das konzipiert wurde, um nukleare Attacken zu überleben, wird von Toastern in die Knie gezwungen», wie es ein Blogger formulierte. Noch ist der Mensch wohl das grösste Problem, schauen wir nur schon mal, wie viele Heimnetzwerke noch via 192.168.2.1 und admin / admin erreichbar sind, wie sieht es erst mit 10 mal mehr Geräten im Haushalt aus?

Wer leitet die Digitalkompetenz im Unternehmen?

Alle sprechen von der Digitalisierung und der Transformation. Aber nachdem wir alle Workshops besucht und Artikel gelesen haben, was bleibt noch? Was fehlt, ist ein Chief Digital Officer – also jemand, der sich das Thema Digitalisierung wirklich auf die Kappe und ins Pflichtenheft geschrieben hat. Wer jetzt sagt „oh nein nicht schon wieder so ein C-Level Begriff“ – den gibts wirklich „Ein Chief Digital Officer (CDO) ist eine Person, die in einem Unternehmen oder einer anderen Gruppe für die Belange der Kommunikation über das Internet verantwortlich ist. Er kümmert sich damit u.a. um die Digitale Transformation.“ sagt Wikipedia.

Welche Businessmodelle gibt es?

Erfolgreiche und innovative Geschäftsmodelle in der heutigen Digitalen Zeit zu kreieren ist schwierig. Denn die Welt verändert sich deutlich schneller als von den meisten Geschäftspersonen wahrgenommen wird. Das Zeitfenster für Innovationen beträgt heutzutage 6 bis 24 Monate. Eine kurze Zeit für eine ausgereifte Geschäftsidee.

Viele Unternehmen denken nur daran, mit der Konkurrenz mitzuhalten, um bestehende Produkte weiterzuentwickeln; wie wird es schneller, leichter, günstiger und smarter. Es gibt aber selten Unternehmen, die es in diesem kurzen Zeitfenster schaffen, die Geschäftsmodelle zu innovieren.

Die Universität St. Gallen hat einen Katalog von 55 verschiedene Businessmodellen erarbeitet, um die Industrie 4.0 zu innovieren.

Nachfolgend ein paar Beispiele:

Businessmodell AIKIDO

Aikido ist eine japanische Kampfkunst, in der die Stärke des Angreifers gegen ihn selbst verwendet wird. Als Geschäftsmodell angewendet bedeutet dies, dass ein Unternehmen ein Konzept anbietet, dass gegensätzlich zum Schema der Konkurrenz steht. So wird für eine bestimmte Zeit ein Konkurrent kampfunfähig gemacht und das Unternehmen gewinnt an Zeit, um ein neues Produkt zu entwickeln und sich für den neuen Kampf auszurüsten. Weitere Informationen zur gezielter Anwendung des Geschäftsmodells: Gibts bei Schweizer Versicherung hier

Businessmodell HIDDEN REVENUE

Die Denkweise, dass der Kunde für die Einnahmen des Unternehmens sorgen, wird verworfen. Stattdessen werden dritte Parteien die wichtigste Einnahmequelle. Während der Umsatz vom Verkauf der Produkte und Dienstleistungen an Kunden kaum sichtlich ansteigt, gewinnt die Vermietung und Vermarktung von Werbefläche an Dritte an Attraktivität. Für Unternehmen wird der Zusatzumsatz ein lukrativer Weg, um die Einnahmen zu steigen. Nachzulesen hier.

Businessmodell LEVERAGE CUSTOMER DATA

Durch das Sammeln von Kundendaten und deren Verarbeitung, werden für den internen Gebrauch oder für interessierte Dritte Parteien neue Werte geschaffen. Dieses Geschäftsmodell gewinnt einen hohen Stellenwert für die zukünftigen Strategieentwicklungen. Durch die Auswertung kann man spezifisch und genau auf Kundenwünschen eingehen. Zukünftig wird es kaum Daten geben, die nicht ausgewertet werden (Big Data).

Businessmodell EXPERIENCE SELLING

Zusätzlich zum Kauf des Produkts oder Dienstleistung, wird ein Erlebnis oder eine Erfahrung angeboten. Man ködert die Kunden mit Zusätzlicher Bereicherung – der Kunde fühlt sich gut, weil er 2 für eins bekommen hat und wird sich somit überlegen, wieder zu kommen. Je mehr der Kunde mit z.B 2 für eins angesprochen wird, umso häufiger wird er zugreifen. Mit dieser Strategie hat man zwei Gewinne: Der Umsatz steigt und es werden weitere Kunden gewonnen.
Das waren nur vier von vielen Geschäftsmodellen. Um das perfekte Geschäftsmodell für das eigene Unternehmen zu konkretisieren, beantwortet man in erster Linie vier Fragen, die als Geschäftsmodellkomponenten bezeichnet werden.:

  1. Was bieten wir den Kunden an? (Nutzenversprechen)
  2. Wer sind unsere Zielkunden?
  3. Wie stellen wir die Leistung her? (Wertschöpfungskette)
  4. Wie wird der Wert erziehlt? (Umsatz)

Für die perfekte Geschäftsmodellinnovation müssen sich mindestens zwei der vier Geschäftsmodellkomponenten positiv auf das Unternehmen auswirken.

Im Vergleich zur USA hat Europa wenige Geschäftsmodellinnovationen. Es wird Zeit, dass auch wir umdenken und die Unternehmensstrategie in Europa verändern, um dem Ziel Industrie 4.0 näher zu kommen.

Blockchain: lückenlose Datenintegration in der Industrie 4.0

Blockchain und Bitcoin werden einige für unzertrennlich halten und sie haben damit Recht. Denn Blockchain ist die Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin. In ihr steckt aber viel mehr als „nur“ ein Zahlungsmittel. Dazu bedarf es jedoch einem kleinen theoretischen Unterbau.

Um eine digitale Transaktion durchzuführen, müssen vorerst einige Dinge geklärt werden. Einerseits muss überprüft werden, ob der Sender die Werte überhaupt besitzt und er diese auch wirklich versenden möchte und andererseits muss eine Instanz oder ein Mechanismus abklären, ob der Sender denselben Wert nicht mehrfach versenden will. Diese Prozesse wurden bis anhin von einer dritten Instanz wie einem zentralen Server oder Service festgehalten (wie z.B. der SIX in der Schweiz im Bereich Zahlungsverkehr oder Börsengeschäfte). Die Blockhain Technologie ermöglicht nun, all diese Informationen in einer öffentlichen Datenbank, einer sogenannten Datenbankkette, festzuhalten.

 

Mehrstufiges, komplexes System

Das Erstellen eines neuen Blocks ist nicht trivial: Jeder wird durch eine komplexe Berechnung erstellt, welche durch sogenannte „Miners“ (Engl. Minenarbeiter) gelöst wird. Das System verwendet dabei den SHA-256-Hashing-Algorithmus. Je mehr Blocks berechnet wurden, desto schwieriger und rechenintensiver wird diese Aufgabe. Nach jeweils 2016 erstellten Blocks, also etwa alle 14 Tage, wird dazu das Schwierigkeitsziel des Systems angepasst. Ziel ist es, dass ungefähr alle zehn Minuten eine Aufgabe gelöst wird. Sobald ein Knoten im Netzwerk die aktuelle Aufgabe gelöst hat, wird der Block angehängt.

Da jeder Block nach der Berechnung nicht mehr veränderbar ist, wird jede Überweisung und jede Umbuchung festgeschrieben – wie in einer grossen Excel-Datei, in der nur neue Einträge erstellt, und keine älteren gelöscht werden können.

Anders als im klassischen Banksystem sind diese Daten aber nicht unter Verschluss, sondern werden transparent an alle Knoten, also Endpunkte, im Blockchain-Netzwerk verteilt. Das hat den grossen Vorteil, dass es so gut wie unmöglich ist, dass eine Partei die Daten verändert. Denn da jeder nachfolgende Block der Hash-Wert des vorherigen Blocks ist, müsste die komplette darauf basierende Kette ebenfalls neu berechnet werden. Ohne einen riesigen Aufwand an Rechenleistung ist dies kaum machbar. Der Angreifer müsste nicht nur alle vorangegangenen Blocks neu berechnen, sondern auch konkurrierenden Validatoren zeitlich zuvorkommen.

Neben der unveränderbaren Struktur, ist die Transparenz einer der grossen Vorteile: Über die Blockchain lassen sich sämtliche Transaktionen nachvollziehen. Auf Blockchain.info kann beispielsweise jeder sehen, welche Bitcoin-Transaktionen durchgeführt werden. Anders als oft behauptet, ist Bitcoin also nicht komplett anonym. Im Gegenteil, der Weg einer Überweisung lässt sich von jedermann einsehen, nur die Nutzer hinter den Accounts sind anonymisiert. Sobald ein Nutzer bekannt ist, lassen sich seine Transaktionen im Netzwerk finden.

Die Möglichkeiten scheinen fast unbegrenzt, vor allem im dezentralen Peer-to-Peer Bereich. Welche Alltagserleichterer den Entwicklern dazu noch einfallen, kann nur spekuliert werden. Aber mit Sicherheit ist es genauso spannend wie damals als die erste industrielle Revolution einsetzte: Ungeahnte Möglichkeiten, Chancen wie auch Gefahren kommen auf Firmen, sowie auf Privatpersonen zu – wir helfen gerne weiter.

Die vierte industrielle Revolution: Strategien für Jungunternehmer

Industrie 4.0, Internet of Things, Cloud und Blockchain in der Schweiz – diese Begriffe sind momentan in aller Munde. Meist fehlt jedoch noch ein einheitliches Verständnis darüber, was sie bedeuten, wie sie in der Industrie umzusetzen sind und vor allem, welchen Nutzen die Anwender davon haben. Was fehlt, sind konkrete Wissensblöcke und Anweisungen. Wir versuchen hier Abhilfe zu schaffen.

Für die einen ist es eine Revolution, für die anderen eine logische Konsequenz der Digitalisierung und Vernetzung durch das Internet. Ende des 18. Jahrhunderts machten Wasserkraft und Dampfmaschine eine mechanische Produktion möglich. Dann folgte im 19. Jahrhundert die Elektrizität und mit dem Fliessband die Massenproduktion. Mitte der 1970er-Jahre begann die Automatisierung, als Computer und Industrieroboter Einzug in die Fabriken hielten. Und die vierte industrielle Revolution startete Ende der 90er-Jahre mit dem Durchbruch des Internets.

Industrie 4.0 steht für eine vollständig digitalisierte Wertschöpfungskette einer Firma. Geräte, Maschinen und Materialien kommunizieren miteinander und ermöglichen so einen reibungslosen Ablauf, und das auf intelligente Weise: lernfähig und ohne Einflussnahme des Menschen.

Die Einführung von Internetfunktionen in die Produktion, ermöglichte völlig neue Dimensionen: Physische und virtuelle Systeme konnten miteinander verbunden werden. Vernetzte Systeme lassen bereits heute Maschinen miteinander kommunizieren, und selbstlernende Software optimiert komplexe Abläufe. Es ist also weniger ein Modebegriff als schon vielerorts Realität.

Chancen und Möglichkeiten für Startups

Was ist nun diese gegenwärtige industrielle Revolution? Unterschieden werden die dritte und vierte industrielle Revolutionen vor allem mit dem Umstand, dass künstliche Intelligenz zu den industriellen Prozessen hinzugeführt wird. Wie der Lagerroboter, der “merkt”, dass ein Lager leer wird und den schnellsten Weg zur Auffüllung findet. Oder der Spritzroboter welcher eigenständig feststellt, dass seine Farbe falsch gewählt wurde und sich im Prozess um die Umfärbung kümmert. Oder das fast tollste, weil mit knapp CHF 1’000, erschwinglichste Beispiel: der selbstlernende, selbstfahrende Wagen. Bemerkenswert ist hier vor allem das Element „selbstlernend“. Der Erfinder ging nämlich mit dem Ansatz heran, nicht alle Parameter vollständig zu definieren und zu programmieren. Er baute einen Modus ein, welcher dem Auto ermöglicht, in zehn Fahrstunden das Autofahren zu lernen. Das heisst, kein „perfektes“, sondern ein „menschliches“ Fahren eines Autos. Der Bericht von Bloomberg ist mit einem spannenden Videoeinblick versehen. Auch Tesla lässt nicht auf sich warten, was unter der Replik von Elon Musk beschrieben wird.

Neue Dienste und Geschäftsmodelle 

Die Wertschöpfungskette einer Internet-of-Things (IoT) Lösung besteht aus fünf Elementen:

  1. Dem physischen Produkt
  2. Sensoren
  3. Connectivity-Technologien
  4. einem Cloud-Backend für Analytics
  5. dem digitalen Service

Der Mehrwert für den Kunden wird durch die intelligente Aggregation der Daten erzeugt. Zum Beispiel kann durch die Analyse von Beleuchtungsdaten im Haushalt eine Glühbirne über eine App als Alarmanlage dienen. Um eine werthaltige IoT-Lösung zu entwickeln, müssen alle Ebenen betrachtet werden.

Die Chancen für KMU und Grossunternehmen welche mit Industrie 4.0 in der Schweiz einhergehen, kann man also wie folgt zusammenfassen:

  1. Wirtschaftliche und flexible Produktion (Adaption)
  2. Steigerung der Maschinenverfügbarkeit (Produktionsmaximierung)
  3. Steigerung der Ressourceneffizienz (Ressourcen sparen)
  4. Effizientere Steuerung von Abläufen (Prozessoptimierung)
  5. Adaptivere Inbetriebnahme von Maschinen und Anlagen (Flexibilität)
  6. Integration von Partnern (Vertikalisierung)
  7. Fehlerursachenanalysen und automatische Korrekturen (Optimierung)
  8. Vernetzung und kontinuierliches Lernen und verbessern (Intelligenz)
  9. Schaffen von neuen Geschäftsmodellen

Auf Schwierigkeiten stossen viele Unternehmen bei der Neugestaltung der Prozesse, weil neue Abläufe häufig Abteilungs- und Unternehmensgrenzen überschreiten und unterschiedliche Datenquellen anzapfen. Noch schwieriger wird es, wenn unterschiedliche Branchen sich auf Schnittstellen für den Informationsaustausch einigen müssen. Wie Aufwendig ein solcher Unterfang werden kann, zeigen gerade die Energieversorgungs- und Automobilindustrie. Bislang ist es ihnen nicht gelungen, die Elektromobilität und die erneuerbare und dezentrale Energiegewinnung langfristig und effizient zusammenzuführen.

Wir helfen gerne weiter: mit einer Analyse und einem ganztätigen Workshop. Fragen Sie uns zum Thema Industrie 4.0 für KMU

Wie der Detailhandel nicht sterben muss

Keystone/Markus Stuecklin

Keine Angst, dieser Beitrag ist kein politisches Manifest, sondern einzige eine Feststellung die so offensichtlich ist und dennoch wenig Bewusstsein hat. Der Online-Handel in der Schweiz wird immer wichtiger. Laut dem Bundesamt für Statistik hat er sich innerhalb eines Jahrzehnts versiebenfacht. Dadurch verstärkt sich die Konkurrenz für lokale Detailhändler gewaltig und viele davon fürchten um ihre Existenz: Früher gab es ihn an jeder Strassenecke, in jedem Quartier und jedem Dorf: den Tante-Emma-Laden oder das „Dorflädeli“. Dann wurde er nach und nach verdrängt von den Grossen. Die Leute strömten in die Supermegamärkte mit riesigen Verkaufsflächen und kostenlosen Parkplätzen.

Dann kamen erst die 2000er Jahre und seit knapp 5 Jahren die grossen Player aus den Nachbarländern und Übersee und selbst die Einkaufszentren erhielten Konkurrenz. Soll das nun heissen, dass alles online sein muss? Man Online nur mit Online begegnen kann? Nein. Denn Mehrere Studien (unter anderem vom GDI bereits 2013) haben ergeben, dass lokales Einkaufen bei Konsumenten weiterhin beliebt ist. Aber es ist hingegen essenziell, vom Internet zu profitieren und es im Geschäftsmodell zu integrieren, sei es nur die Vermarktung oder auch der Verkauf im Internet. Ich führe zwei Möglichkeiten auf, wie Detailhändler das Internet nutzen können um mit den Online-Trend mitzuhalten.

Nie vergessen: Lokal kommt an

Konsumenten mögen ihre lokalen Händler und bedauern es oft, wenn einer von ihnen seinen Laden für immer schliesst. Eine emotionale Komponente also. Kommt hinzu: wir sind den ganzen Tag unterwegs, wir sind gestresst und wir werden älter. Warum also nicht das genau zu Nutze machen: Es geht um Service und Zeitersparnis – also eigentlich Online Handel (Service) und Zeitersparnis (Einkaufszentren wo vieles an einem Ort ist) zusammenführen. Was wäre also, wenn sich die einzelnen Händler der Region im Internet zusammenschliessen und mit einem Lokal-eCommerce-Marktplatz ihre Angebote darstellen? Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und des Instituts für Handelsforschung (IFH) stossen lokale Onlinemarktplätze auf eine hohe Kundenakzeptanz. Zwar gibt es diese noch nicht für alle Städte und Regionen, doch viele Menschen können sich vorstellen, sich lieber bei einem solchen lokalen Marktplatz zu informieren und auch zu kaufen. Vor allen Dingen schätzen die Menschen die übersichtlichen Angebote und Informationen zu den lokalen Händlern. Werden übergreifende Aktionen angeboten, wie beispielsweise lokale Bonuskarten oder Gutscheine, wird das nach dieser Studie von den Kunden noch positiver bewertet. Lokale Händler könnten ausserdem punkten mit Umweltfreundlichkeit, schnellen Lieferungen und einer sympathischen Ausstrahlung dank Velokurier oder der Kombination von einem kurzen Spaziergang mit Kaffee.

Der Service beim lokalen Händler muss besser werden

Trotzdem: Kunden wollen auf einer (lokalen) Plattform auf keinen Fall beim Einkauf mehr ausgeben, als beim überregionalen Kauf bei einem Grosshändler. Dennoch erwarten die Kunden eine ganze Menge Servicedienstleistungen von einer lokalen Onlinepräsenz ihrer Händler: verlängerte oder andere Öffnungszeiten zum Beispiel, Lieferung am selben Tag, Vorbestellung und Auswahl online und dann probieren offline. Ausserdem sehen die Konsumenten es als Service der Händler an, für ein kostenfreies WLAN-Netz in den Fussgängerzonen und Innenstädten zu sorgen und für eine Tasse Kaffee wenn ich schon für über 100.- Franken einkaufen gehe – beim Frisör kriege ich das ja auch oder?

Schauen wir uns aber die Customer Journey mal genauer an: Wir wissen es selbst: gerne informieren wir uns zunächst online, bevor wir losfahren um ein Produkt zu kaufen (Research Online, Purchase Offline oder ROPO nennt man das). So können wir sicher sein, dass das gewünschte Produkt auch wirklich im Laden erhältlich ist und dass wir preislich nicht über den Tisch gezogen werden. Interessant ist dann auch für viele von uns die Möglichkeit, die Produkte wie beispielsweise Bücher online (vor-) zu bestellen und einige Zeit später beim Händler selbst abzuholen (das macht Exlibris so zB oder auch die Migros). Ausserdem können wir so die bestellten Waren einfacher zurückgeben, falls sie uns nicht passt oder doch nicht gefällt. Aber die Geschäftszeiten sind dabei nicht immer sehr befriedigend – nur, warum werden wir nie gefragt ob wir wirklich schon um 9Uhr einkaufen wollen oder doch lieber über Mittag oder Abends noch eine „Pick-Up“ Station beim Italiener nebenan eine Variante wäre?

Nur Präsenz im Internet reicht nicht aus

Wenn ich durch Städte wie St. Gallen, Winterthur, Schaffhausen oder Luzern laufe fällt mir vor allem auf, dass die grossen Ketten mit online Signalen Punkten. Die regionalen und lokalen Händler sind noch nicht ausreichend oder überhaupt gut im weltweiten Netz vertreten. Erstaunlich wenn wir doch wissen dass fast 50% des Suchtraffic bei Google über das Handy funktioniert? Nach ein paar Befragungen bei Ladenbesitzern dann die lapidare Antwort „Weil wir nicht über einen Online-Shop verfügen, kommen die Kunden eben in den Laden“ – aha – oder sie bleiben irgendwann aus. Besonders für kleinere Händler führt jedoch kein Weg vorbei irgendwie im Bewusstsein zu sein. So ein lokaler eCommerce-Verbund wäre eine gute Möglichkeit, an der sich alle mit kleinem Budget beteiligen können, so dass sie in ihrer Präsenz gestärkt werden. Das Konzept des Lokal eCommerce Verbundes trifft den Wunsch vieler Menschen, die lieber im Laden bei ihrem Händler kaufen würden, als anonym im Internet zu bestellen. Branchenprimus Amazon hat allerdings in Punkto Funktionalität und Service einen hohen Standard für derartige Plattformen vorgelegt, an den die Kunden gewohnt sind.

Denn eine informative und detaillierte Onlinepräsenz ist im Internet-Zeitalter nicht wegzudenken und dennoch ist die Mehrheit der Schweizer Detailhändler nicht online, weder mit eigener Webseite, noch auf Plattformen. Der heutige Kunde recherchiert vor seinem Einkauf im Internet. Sucht er ein bestimmtes Produkt und erscheint der Händler nicht in den Suchergebnissen, wird er für den weiteren Kaufprozess nicht berücksichtigt. Deswegen ist es wesentlich, im Internet sichtbar zu werden. Informationen über den Händler, das Produktangebot und die Dienstleistungen müssen online sein. Es ist ratsam das gesamte Sortiment inklusive Preis und Verfügbarkeit zu präsentieren, somit bietet sich dem Kunden ein digitales Schaufenster und vielleicht findet er Waren, welche er nicht erwartet hätte und ihn zu Zusatzkäufen anregen.

Was ist denn ein lokaler Online-Marktplatz?

Zur Zeit entwickelt sich im Internet ein neuer Trend im Kampf gegen online Riesen wie Amazon, Ebay oder Zalando: lokale Online-Einkaufs-Marktplätze. Ihr Ziel ist es, das Shopping im Netz mit dem Besuch in der Stadt oder dem Dorf zu verbinden, um die ans Internet verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen.

Solche Verbünde bieten lokalen Händlern eine Plattform um ihre Produkte zu verkaufen und können optimale Lieferleistungen erbringen, da sich die Waren bereits vor Ort befinden. Die Deutsche Stadt Wuppertal zum Beispiel beweist sich als gutes Beispiel, denn ihre Plattform Atalanda ist seit gut einem Jahr online und erfolgreiche Verbesserungen der lokalen Wirtschaft konnten beobachtet werden.

Auch in der Schweiz gibt es seit kurzem eine grössere und eine kleinere lokale Verkaufsplattform. Coop und Swisscom haben sich zusammengeschlossen und gingen vor kurzem unter dem Namen Siroop als Beta-Version online. Der Marktplatz startete eine Pilotphase mit Abholstationen in Bern, Landesweit ist bisher die Lieferung per Post möglich. Zur Zeit werden Produkte aus den Bereichen Elektronik, Pflege, Freizeit und Haushalt angeboten, und werden laufend entsprechend den Kundenbedürfnissen angepasst.

Daneben wurde shopdirekt.ch lanciert. Dieser Verbund zeichnet sich vor allem durch den Servicegedanken aus, um eigene Produkte als Wiederverkäufer oder im Auftrag (Concierge Service) online zu stellen. Damit bietet sich also kleineren Unternehmen kein Budget für einen eigenen Online-Shop, kann der Verkauf über Lokale Online-Marktplätze ein vielversprechender Anfang in den Online-Handel sein.

Fazit – ein Versuch wert?

Durch den Zusammenschluss der kleinen Händler zu einem starken Verbund ist ein konzertiertes Marketing möglich und auch kleinere Händler haben eine gute Chance, am eCommerce teilzuhaben. Konsumenten können sich umfassend informieren, bevor sie stationär kaufen.

Ist der Händler über mehrere Kanäle erreichbar, ist ein einheitlicher Webauftritt zu empfehlen. Das heisst einheitliches Branding, Marketing, Preise, Verfügbarkeiten sowie Dienstleistungen, um dem Kunden einen Wiedererkennungswert zu garantieren – so ein Label von lokalen Marktplätzen könnte natürlich helfen.

Entscheidet sich der Detailhändler für den Online-Verkauf, könnte er seinen Standort zum Vorteil zu nutzten um lokale Kunden zu akquirieren. Zum Beispiel könnte man wie schon erwähnt besondere Dienstleistungen anpassen und taggleiche Lieferungen (same day) anbieten, oder Warenabholungen ausserhalb der Öffnungszeiten ermöglichen (pick up beim Italiener).

Dafür müssen sich allerdings Detaillisten zusammenschliessen und gemeinsam einen lokalen E-Commerce Marktplatz betreiben. Der Vorteil liegt auf der Hand: mit geteilten Kosten und kombinierter Reichweite, können kleinere Händler damit im Netz sichtbarer werden und müssen gleichzeitig die Kosten für ihren professionellen Werbeauftritt nicht alleine stemmen – somit profitieren alle gleichermassen.

Kleiner Tipp: Fragen Sie sich selbst wie viel Sie davon schon wussten? Oder wie steht es mit Ihrem Geschäft? Sind Sie bereit für den E-Commerce 2020? Oder möchten Sie wissen, wie es allenfalls noch besser gehen könnte? Dann kommen Sie vorbei ins Hiltl in Zürich vom 4. März bis 2. April und lernen Sie von anderen Praktikern und KMU: E-Commerce Business Manager