Was macht ein Businessangel?

Business Angels sind im Gegensatz zu Venture Capitalist (Firmen) oftmals Personen (oder Institutionen), welche Startups in einer frühen Phase Eigenkapital (und zwar eigenes Geld) zur Verfügung stellen.

Es handelt sich daher um Eigenkapitalgeber mit Rechten und Pflichten. Allerdings stellen Business Angels oft nicht nur Kapital zur Verfügung, sondern auch wertvolles Know-How und dabei helfen sie den Startups aktiv – man spricht von Smart Capital.

Bei Business Angels handelt es sich oft um ehemalige erfolgreiche Gründer, ehemalige CEOs, CFOs, Ex-Banker oder UnternehmerInnen, welche in der Vergangenheit selbst ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut und anschliessend verkaufen konnten. Mit den Erträgen aus Unternehmensverkäufen, Sparen, Immobilien oder Boni beteiligen sie sich nun an den diversen Start-Ups oft im Mix mit anderen Beteiligungen.

In der Schweiz gibt es die folgenden Vereinigungen von Business Angels:

  • BAS Schweiz (Business Angels Switzerland). An rund 30 Dinner Meetings pro Jahr treffen wir uns in den drei Regionen Bodensee, Romandie und Zürich mit 70 bis 80 Start-ups, wovon fünf bis zehn finanziert bzw. co-finanziert werden. Seit der Gründung unseres Vereins im Jahre 1997 haben unsere Mitglieder rund 100 Start-ups mitfinanziert und tatkräftig unterstützt.
  • StartAngels (startangels Schweiz). Die Mitglieder des StartAngels Networks investieren als Einzelpersonen auf eigene Rechnung zusammen mit mehreren StartAngels im Rahmen von Co-Investitionen. StartAngels Investoren suchen Early Stage Unternehmen verschiedener Branchen in der Schweiz und beteiligen sich pro Mitglied typischerweise mit einer Investition von CHF 50 bis 200k. Bei Co-Investitionen kann das Gesamtinvestment CHF 1 bis 2 Mio. betragen.
  • Business Angels beim SECA (SECA – Swiss Private Equity Corporate Finance Association). Die SECA hat das Ziel, die Private Equity- und Corporate Finance-Aktivitäten gegenüber den massgebenden Zielgruppen und in der Öffentlichkeit zu vertreten. Zudem werden der Austausch von Ideen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern und deren Kundschaft gefördert.
  • GoBeyond, auf Englisch mit Fokus FinTech (GoBeyond) Go Beyond Investing is a FinTech company transforming angel investing into a new scalable asset class for small and large, novice to experienced investors. It offers a unique deal platform, portfolio tools, syndication/pooling, due diligence, investment monitoring services, training and certified deal leaders.
  • AngelinvestNetwork (AngelInvestNetwork). Wir verbinden deutsche und internationale Unternehmen und Business Angels.

Wo besteht der Unterschied zu Venture Capitalist (kurz VCs, sprich „WiiSii“)? VC sind Business Angels sehr ähnlich. Aber hier handelt es sich nicht um Einzelpersonen, sondern Firmen oder professionelle Fondsgesellschaften, die sich auf Investitionen in Start-Ups spezialisiert haben.

VC stellen Gründern Eigenkapital ebenso wie ein intensives Coaching während der nachfolgenden Wachstumsphasen zur Verfügung. Venture Capitalists suchen ihre Investitionsobjekte nach einem stark institutionalisierten Verfahren aus. Meistens sind Venture Capitalists an Start-Ups aus der Technologie oder Internetbranche interessiert, da diese grosse Skalierungsmöglichkeiten und damit auch Returns abbilden können.

Hier gibt es vor allem BrainsToVenture zu erwähnen, welche selbst zahlreiche Investoren haben, die mal Unternehmer und Startupper waren.

Was alle Startups benötigen: ein solides Geschäftsmodell. Wir helfen gerne weiter.

 

Was Personaler morgen beachten müssen

Laut einer LinkedIn Studie werden dieses Jahr zwei Themen im Personalwesen zentral: Die Qualität der Neueinstellungen und die Mitarbeiterbindung. Die Mehrheit der befragten HR-Fachkräfte sehen die „Qualität der Neueinstellungen“ als wichtigstes Kriterium zur Leistungsmessung. Damit verlieren die Leistungsmerkmale „Zeit bis zur Besetzung der Stelle“ und „Zufriedenheit der Personalentscheider“ im Vergleich zum Vorjahr an Wichtigkeit. Über die Hälfte der teilnehmenden Unternehmen messen die Qualität der Neueinstellungen mithilfe von Statistiken. Grundsätzlich besteht jedoch die Nachfrage nach effektiveren Messungsmethoden.

Eine der grössten Hürden zur Gewinnung von Top-Mitarbeitern ist die Konkurrenz. Deswegen werden sich Unternehmen vermehrt auf die Entwicklung ihrer Arbeitgebermarke konzentrieren. Um die Marke zu stärken, wird Personalern eine enge Zusammenarbeit mit der Marketingabteilung empfohlen. Der Einsatz von richtigen Tools ist zur Markenbildung und Mitarbeitergewinnung weiterhin von grosser Bedeutung. Gemäss Studie sind dies Online-Stellenbörsen, eine eigene Karriere Website und berufsbezogene soziale Netzwerke.

Die in der HR-Branche fortschreitende Technik wird der Personalmarketing-Effizienz sowie die Arbeitgebermarke zur Optimierung verhelfen, Lösungen wie whatchado oder equipia könnten hier natürlich helfen.

Nach Aussage von Jan Kirchner, Employer-Branding und Personal Marketingspezialist, kann durch die Einführung von HR-Web-Analytics erstmals die Effizienz des Budgets und der Marketingmassnahmen gemessen werden. Zudem ermöglicht die Kombination von „Data-Driven Recruiting“ und „Realtime-Bidding“ die Automatisierung des Personalmarketings. Datenbasierende Personalmarketing-Strategien können entwickelt und die Bewerber-Conversion der Karriereseiten verbessert werden. So versorgt dann das „Job-Multiposting“ nach dem „Real-Time-Bidding“ verfahren die Karriereseiten automatisch mit potentiellen Bewerbern.

Die zweite Erkenntnis der Studie ist die Massnahme zur „langfristigen Bindung von Mitarbeitern“. Bestehende und potenzielle Mitarbeiter sollen dem Unternehmen erhalten bleiben. Zur gegenseitigen Stärkung der Beziehung wird zunächst ein ansprechendes Arbeitsklima aushelfen. Darüber hinaus wird die interne Stellenbesetzung, und damit verbundene Aufstiegs- und Karrierechancen, zur Mitarbeiterbindung durchaus eine wichtige Rolle spielen.

Its the Businessmodel – not the (business-)plan …

„In the future, competition will not take place between products or companies, but between business models“ – Gary Hamel

Ein gutes Businessmodell zu haben ist eine der wichtigsten Komponenten eines erfolgreichen Unternehmens.

  1. Was ist ein Businessmodell?

Ein Businessmodell ist im Gegensatz zu einem Businessplan, die Funktionsweise wie man Geld verdienen kann über nicht nur eine Transaktion, sondern mehrere. D.h. ein Modell, welches sich beliebig wiederholen und skalieren lässt.

  1. Was beinhaltet ein Businessmodell?

Die Definition der Zielgruppe, den Nutzen, welches die Unternehmung stiftet, wie das Nutzenangebot erstellt wird, sowie die Ertragsmechanik und die Wertschöpfungsarchitektur. Wichtig dabei ist die Flexibilität des Businessmodells.

  1. Was ist ein Businessplan?

Im Businessplan wird schematisch und chronologisch aufgezeigt, wie man gedenkt das Businessmodell umzusetzen. Unteranderem mit den Bereichen, Team, Organisation, Marketing, Finanzen und Set-Up.

  1. Was ist der Unterschied zwischen einem Businessmodell und Businessplan?

Das Businessmodell ist der Kern und es muss sich skalieren lassen. Der Businessplan ist eigentlich die prosamässige/ romanmässige Zusammenfassung dieses Modelles.

  1. Nutzen von Businessmodellen?

Wenn man ein Businessmodell hat kann man beliebig und hoffentlich auf immer wieder kehrende Art und Weise Geld verdienen. Wenn man nur eine Dienstleistung/ ein Produkt und kein Busniessmodell hat, dann ist es immer eine One-Off-Geschichte. Das heisst ich kaufe das Produkt einmal – dann sehen wir uns nie wieder. Die Idee hinter einem Businessmodel ist, ein Produkt/ eine Dienstleistung zu verkaufen, bei welchem auch ein Support, Upgrade, Installationen oder Schulungen etc. angeboten wird. Also wenn man um ein Produkt/ eine Dienstleistung herum aufbaut.

  1. Beste Vorgehensweise bei Entwicklung von Businessmodellen?

Es gibt verschiedene Methoden dafür. Die momentan etablierteste ist wahrscheinlich der Business Model Canvas von Osterwalder, indem es darum geht das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren und Bereiche aufzuzeigen. Grundsätzlich muss man sich aber überlegen, wie man nicht nur einmalig sondern immer wieder Geld verdienen kann. Wie kann ich meine Produkte / Dienstleistungen so anreichen und ausbauen, dass die Kunden öfter Produkte / Dienstleitungen bei mir beziehen.

  1. Welche Arten von Businessmodell gibt es?

Am besten finde ich die, welche relativ simpel sind. Diese starten mit einem Produkt / einer Dienstleistung und nachher überleget man sich, wie kann ich diese multiplizieren, z. B. diese wöchentlich, monatlich oder jährlich anbieten. Ich kann mir auch überlegen, das Produkt / die Dienstleistung zu transformieren.

Hierzu das Fitnessstudio -Beispiel: Wenn meine Kunden in den Ferien sind, kann ich Ihnen einen online Kurs anbieten, Ihre Fortschritte weiterhin aufzeichnen und allenfalls eine Ernährungsberatung anbieten und in diesem Zusammenhang noch einen Kochkurs. Am Schluss muss jedoch alles stimmig sein. Das Businessmodell soll ich immer vom bestehenden Wertangebot differenzieren.

  1. Was sind die Erfolgsfaktoren von Businessmodellen?

Ein gutes Businessmodell zeichnet sich durch seine Skalierbarkeit aus und dass sie nicht nur von meiner Person abhängt. Personen unabhängig heisst: z.B. ein typischer Consultant hat kein Businessmodell, sondern einfach eine Dienstleistung oder ein Produkt. Er geht zum Kunden, berät und erhält dafür seinen Stundenansatz. Wenn er aber hingeht und sagt ich bilde weitere Consultants aus oder ich biete Schulungen an, dann ist es plötzlich wie eine Boston Consulting Group, und man hat ein Businessmodell.

  1. Wie finde ich das für mich passende Modell?

Indem du dich fragst, wie du Geld verdienen willst. Wenn du ein Einzelkämpfer bist, dann bist du eher ein Freelancer. Doch wenn du mit einem Team verbunden sein willst, dann must du dir überlegen, ob du ein Produkt/ Dienstleistung entwickeln kannst, welches sich unter mehreren Leuten verteilen lässt oder sich komplementär ergänzen. Wenn du eher der Managertyp bist und gerne andere für dich arbeiten lässt, dann allenfalls in Richtung Franchising gehen.

Das richtige Businessmodell rauszufinden ist für mich immer sehr subjektiv und individuell, aber ich empfehle dass man sich überlegt, ob man ein vom Kunden gewünschtes Produkt hat und ob man es noch ausbauen kann.

10. Welche Fehler sollte man bei Businessmodellen vermeiden?

Viele Leute gestallen sich ihr Businessmodell nur, um sich den Lohn zu zahlen und das ist etwas zu wenig. So verkaufst du nur deine Zeit für Geld. Wenn du aber ein gutes Businessmodell willst, musst du deine Zeit gegen Geld plus etwas Zusätzliches bieten.

Das ist für mich das Erfolgsmodell dahinter. Leider machen viele den Fehler, dass sie nicht so weit denken.

  1. Hast Du Tipps und Tricks für Startups?

Immer hinter die Industrie gehen, welche schon immer so sind wie sie sind und nicht vorwärts kommen und versuchen dies auf eine andere Art und Weise zu machen. Kann ich es einfacher, günstiger, digital oder schneller machen? Und plötzlich kommt man dann auf eine Idee.

Das beste Beispiel hierzu ist die Tax-Industrie. Indem es darum geht, die Kunden von A nach B zu befördern. Und alle Taxis stehen am Bahnhof und am Flughafen, aber eigentlich nie dort, wo der Kunde ist. Bis man als Kunde rausgefunden hat, wo sich die Taxis befinden und wie die Nummern lauten, hat man bereits eine andere Möglichkeit gefunden.

Doch dann kam Uber..

Logos, Patos und Obolus

Die Griechen haben also Nein gesagt. Nein zu Sparmassnahmen und gleichzeitig Ja zu neuen Verhandlungen. Etwas paradox das Ganze oder? Und weil wir eigentlich alle Griechen sind, ist dieser Artikel auch gespickt mit ursprünglich griechischen Wörtern, sogenannten Gräzismen.

Ob Griechenland nun bald ein Exodus droht, kann man schwer abschätzen. Was man aber jetzt schon weiss: Politiker sind schlechte Ökonomen und Ökonomen sind offenbar schlechte Politiker. 2001 trat Griechenland der Europäischen Währungsunion bei und das schon zwei Jahre nach den 11 Gründungsmitgliedern. Die Drachme wurde an den Euro gebunden im Verhältnis 340,750 GRD = 1 EUR. 2002 wurde, gleichzeitig mit den anderen Euro-Ländern, das Euro-Bargeld eingeführt und die Drachme verschwand in der Versenkung und das eigentliche Trauma begann, denn die Drachme galt lange als sehr schwache Währung und der Kurs von 330 – 340 welcher angepeilt wurde, war mehr Wunschdenken, bei einer Entwicklung und starken Inflation: zwischen 1973 und 1995 betrug der jährliche Kaufkraftschwund mehr als zehn Prozent, in der Spitze lag er teilweise sogar über 30 Prozent.

Ein Artikel in der Finanz und Wirtschaft (fuw) fasste das damals eingeleitete Drama. Zu hoch lag schon damals das Niveau der Leitzinsen und die Teuerungsrate. Die Jahresinflation stieg im Dezember 2000 auf 2,7%. Die Inflation war schon damals steigend, der Wertezerfall also in vollem Gange. Rechnet man den Euro zurück, mussten zu Beginn der 80er-Jahre erst 62 Drachmen pro Euro bezahlt werden. Eine Dekade später wurden schon drei Mal so viele Drachmen fällig, und beim Beitritt zum Euro wurde der Einstiegskurs mit 340,75 Drachmen fixiert, dem Logos folgte der Patos – ähnlich wie letztes Wochenende ging es weniger um die wirtschaftliche Machbarkeit, als mehr um das aufeinander treffen zweier politischer Ansichten (hauptsächlich getrieben durch Sparsamkeit und Tugend – „deutschere“ Worte gibt es wohl kaum).

Und hier liegt auch das eigentliche Problem und meine Ausgangsaussage: die EU muss sich vielmehr überlegen, was sie ist: politische oder wirtschaftliche Union? In einem Startup-Fond von 10 Portfolio Unternehmen wäre das griechische Projekt eindeutig zu schwach und würde von den Rising Stars innerhalb der Gruppe um ein mehrfaches out-performed werden – was also tun? Sanieren? Abstossen? Das Produkt ist zwar gut und es funktioniert, aber innerhalb dieser Gruppe ist es gelinde gesagt eine Katastrophe.

Was passiert nun als nächstes? Vermutlich nicht viel ehrlich gesagt. Die Verhandlungen werden nun wieder aufgenommen – de facto fangen sie bei null an. Das dauert mindestens ein halbes Jahr. Ein Aufbau einer Parallelwährung mit Schuldscheinen wäre auch möglich, aber auch das dauert mindestens 6 wenn nicht sogar 12 Monate – genausolange übrigens, wenn die griechische Nationalbank neue Noten drucken müsste.

Da scheint es schon fast heroisch wie ein Engländer (man beachte die Ironie, da England sich nicht als Teil Europas per se fühlt) ein Crowdfunding Bail-Out eröffnet hat – demokratischer geht es nicht:

I started a crowdfunding campaign to try to rescue the Greek economy. Some basic maths told me that I only needed the entire population of Europe to donate €3.19 (£2.26) to reach the amount of the bailout fund. I included some nice perks for donating, including a Greek salad and holiday in Athens for two, and set up a page on IndieGoGo and a Twitter account.

Ein tolles Projekt, fast basisdemokratischer als die Abstimmung vom Sonntag – und das Resultat, so toll es ist, zeigt wohl auch, wie sehr die Lage die eigentliche Bevölkerung interessiert: mässig.

Das ist wohl auch die Quintessenz des Ganzen: das Problem ist nicht politisch, ist nicht ökonomisch, es ist strukturell und damit ein Mix von allem: eine Wirtschaft, welche gebremst durch schlechte Wirtschaftskonditionen, gebeutelt durch Zinszahlungen und deren politische Spitze verhandeln statt regieren muss, kann nicht aus dem Moloch kommen, in den sie (sich wohl auch selbst) gebracht hat, vor allem nicht, wenn den Leuten das Geld fehlt Essen zu kaufen, wie soll da die Wirtschaft angekurbelt werden? Ein Schuldenschnitt und ein Marshallplan zum Aufbau einer kompetitiven Wirschaft wäre wohl das einzig richtige, gemeinsam mit einem schrittweisen Rückzug aus dem Euro (als Währung), wer weiss, vielleicht wird ja Griechenland zum neuen Silicon Valley Europas – sie waren schon einmal Geburtstort unserer Demokratie, wer weiss, vielleicht auch ein zweites Mal.

Pensionskassen: Warum jetzt Zeit ist für den Zukunftsfond

Bereits am 13. Juli 2014 hatte ich über eine Motion berichtet, welche den Ständerat nur knapp verpasste: der Zukunftsfond. Mein Fazit damals: „(…) so kriegt man heute leichter einen Privatkredit zum abzahlen als einen Vertrauensbonus zum abarbeiten.“

Warum ich das Thema wieder aufgreife, begründet auf der derzeitigen Entwicklung durch die Aufhebung des Euro Mindestkurses durch die SNB und damit einhergehen die Negativzinsen der Nationalbank, welche sich nun auch auf die Sparvermögen auswirken. Denn seit der Aufgabe des Franken-Mindestkurses zum Euro und der Einführung von Negativzinsen durch die Nationalbank hat sich die Situation der Schweizer Pensionskassen massiv erschwert. Die Negativzinsen schmälern die Renditen und erschweren das Geschäft. So berichtet jüngst das SRF über Pensionskassen, welche das Geld sogar bei Sicherheitsfirmen deponieren möchten, weil eine Anlage „kostet“.

Wegen fehlenden Renditen greifen die Pensionskassen zu unkonventionellen Mitteln. Sie planen, Gelder teilweise als Bargeld zu horten. Zudem hat der Pensionskassenverband bei der Nationalbank beantragt, dass alle Pensionskassen einen Teil ihrer Gelder zu mindestens 0 Prozent deponieren dürfen.

Das ist umso tragischer, wenn man weiss, um wie viel Geld es sich hierbei handelt, denn basierend auf einer Studie von 2014 der Credit Suisse weiss man:

Gemäss den aktuellsten Daten aus dem Jahr 2012 über die berufliche Vorsorge in der Schweiz versichern etwas mehr als 2000 Vorsorgeeinrichtungen insgesamt über 3.8 Mio. aktive Versicherte und mehr als 1 Mio. Rentenbezüger (vgl. Abb. 1). Der Gesamtwert der Aktiven belief sich 2012 auf rund CHF 670 Mrd., womit die schweizerische berufliche Vorsorge im internationalen Vergleich relativ zur Wirtschaftsleistung eine hohe Bedeutung hat.

 

Also über 670 Milliarden Schweizer Franken, wovon nun zwei Drittel weggeschlossen werden sollen mit einer Nullrunde versehen – was de Faktor einer Entwertung gleich kommt – und das obwohl bereits 10% des Kapitals eingesetzt werden könnten um diese 9 von 10 Startups zu finanzieren die es eben nicht schaffen – damit das 1 von 10 das Portfolio um ein vielfaches wieder refinanziert – typisch Wagniskapital eben. Nur, die Schweiz ist ein Volk von Sparern, selbst wenn das Risiko klein gehalten und gemanaged werden könnte.

Denn wie die Baslerzeitung damals vorrechnete wurden 2012 rund CHF 428’571.- pro Startup investiert – wobei pro Startup falsch ist: es waren weniger als 100, nämlich deren 70 um genau zu sein – und das bei zig hunderten von Statups welche eine valable Chance auf Erfolg hätten – denken wir nur mal an die 100 besten Startups, welche selbst einige Finanzierungsrunden hinter sich bringen mussten.

Versteht mich richtig: ich bin nicht für einen Persilschein, nicht alle der rund 40’000 Neugründungen gehören finanziert, aber die Anzahl an Möglichkeiten von offiziellen Preis- und Fördergeldern ist weniger als ein Dutzend, kommen nochmals ein Dutzend verifizierte und valable Businessangels dazu – und selbst diese Hürden muss man nehmen um einen Bruchteil des nötigen Kapitals zu erhalten. Fakt ist: ein durchschnittliches Startup wird in 3 – 5 Jahren mit CHF 2 Millionen ausgestattet, ein Förderpreis bringt durchschnittlich CHF 50’000, ein Businessangel zwischen CHF 40’000 – 60’000 und eine Auszeichnung durch eine Hochschule vielleicht nochmals CHF 100’000 kumuliert – also 10% des nötigen Kapitals über die Laufzeit – woher kommt also der Rest?

“Gerade mal 300 Millionen Franken wurden 2012 in 70 Schweizer Start-ups investiert. Im vergangenen Jahr waren es mit 415,5 Millionen zwar deutlich mehr, aber noch lange nicht so viel wie im Jahr 2000, als fast 1,4 Milliarden Franken als Venturecapital vorhanden waren.” Im Gegensatz zu den USA sind das sprichwörtlich “Peanuts” oder Neudeutsch: kleine Brötchen: “(…) 2012 wurden total 26,5 Milliarden Dollar in Wagniskapital” investiert.

Würden nun wie oben beschrieben die schweizerischen Pensionskassen dasselbe tun wie unsere amerikanischen Startupförderer, könnten nach den Berechnungen von Simon Baby und den Ökonomen der Universität Basel (Studie) bis 2030 etwa 40 Milliarden Franken Risikokapital investiert werden. Was dabei der Staat liefern soll, bleibt im Papier zwar unklar, aber bei 2’000 Pensionskassen und einem entsprechenden Betrag von 2’000’000 je Kasse könnte man 10 Startups zu je 200’000 fördern (man beachte die 9:10 Quote) und man hätte dabei in einem Zug das verfügbare durchschnittliche Kapital verdoppelt!

Ist es eine Chance oder doch nur eine verrückte, noch nicht final gerechnete Idee?  Fakt ist, das Bundesamt für Statistik (BFS) liefert sehr genaue Angaben, wie viel Kapital denn verfügbar wäre. Und bezieht man sich auf die erwähnte Studie der Credit Suisse, so müssen nicht einmal ex orbitante Renditen erwartet werden: 4 – 5 % machen die Pensionskassen jährlich vorwärts – als reines Finanzinstrument, nun ergänzt mit der Möglichkeit Stellen-, also Arbeits(kraft)-Plätze zu schaffen, ist uns das etwas Risiko nicht wert?

Dabei zitiere ich gerne der österreichische Businessangel und Startupförderer Hansi Hansmann, der unlängst meinte, Europa verpasst definitiv den Anschluss und verschläft den Trend – wohl nicht zuletzt wegen fehlendem Wagniskapital.  Und damit schliesse ich auch schon wieder, mit einem Zitat von Hansi – bestätigt indirekt übrigens durch Klaus Hommels der Europas Investitionskultur ebenfalls anprangerte (wie ich hier berichtet habe). Hansi Hansmann also gehört das letzte Wort:

Europa hat mit seiner geschichtlichen, kulturellen und sprachlichen Vielfalt einen unheimlichen Vorteil, den wir zu selten nutzen. Da können die Amerikaner, die Südamerikaner und die Asiaten nicht mit. Wenn wir versuchen, diese Eigenschaften zusammen mit dem vorhandenen Geld einzusetzen, die besten Köpfe Europas zusammenbringen, dann werden ganz sicher tolle Sachen entstehen, die nirgendwo sonst auf der Welt entstehen können. In der Technologie kann es schnell umschwenken, die USA übersehen einen Trend und Europa ist plötzlich wieder voll da. Aber es ist wahnsinnig spät dafür.

Ich freue mich über zahlreiche Feedbacks und Kommentare – hier und via Twitter @rogerbasler – vielen Dank.