Wer finanziert mein Startup?

Geld regiert die (Startup-)Welt und jeder der sich einmal überlegt hat, eine Firma zu gründen kam einmal an den Punkt: Ich brauche Geld. Was macht man also? Meist googeln und nach dem Zauberer von Oz suchen, den es – vorweg genommen – nicht gibt. Weder bei Dorothy noch im richtigen Leben war es ein Zauberer, sondern ein gewöhnlicher Mensch. Und so ist es auch in der Startup Szene und insbesondere bei Gründungskapital: es menschelt sehr. Nachfolgende Zeilen schreibe ich nach fast 5 Jahren als Startup-Entrepreneur und Unternehmens-Architekt. Konstruktives Feedback ist wie immer sehr willkommen.

Die Grundfrage: warum und wofür

Wer googelt – und dabei auch auf diesen Beitrag gestossen ist – hat eigentlich die falsche Grundfrage gestellt. Denn oft gelangen Anfragen an mich im Stile von: Ich brauche 20’000, 50’000, 500’000 Franken – können Sie helfen oder kennen Sie jemanden? Das ist falsch und eine sehr negativ behaftete Herangehensweise. Denn es geht um ein Geschäft. Ein (hoffentlich) profitables Geschäft in dem man gibt und bekommt – gegenseitig. Sie haben eine tolle Idee, jemand anderes hat Kontakte, Finanzquellen oder Wissen und Know-How. Hier trennt sich aber schon die Spreu vom Weizen. Denn die Frage ist: wozu brauchen Sie das Kapital? Möchten Sie sich während 6 oder 12 Monaten auf die Entwicklung eines Produktes konzentrieren und zwar Vollzeit und können darum nicht arbeiten? Dann brauchen Sie Ihr eigenes Erspartes oder Sie gehen zum Verein Go Selbständig und beantragen einen Mikrokredit (der aber zurückbezahlt werden muss).

Oder Sie sind im sozialen oder umwelttechnischen Bereich tätig, dabei kann man auf Sosense oder Social Impact. Wer hier tätig ist sollte sich aber vorgängig beim SEIF und beim Impact Hub informieren. Die Social Entrepreneurship Initiative & Foundation (seif) sowie Impact Hub sind Organisationen, die Wissen, Ressourcen und das unternehmerische Potenzial aller Akteure der Social Entrepreneurship Community zusammenbringen, um einen möglichst hohen Social Impact zu erzielen und helfen gerne weiter und können eine realistische Einschätzung geben, den Start erleichtern und Synergien aufzeigen.

Niemand bezahlt Ihnen den Lohnausfall

Grundsätzlich gilt: kein Investor, ob Businessangel oder Venture Capitalist, ob Serial Entrepreneur oder Private Equity Firma wird Ihnen de facto Ihren Lebensunterhalt finanzieren, beziehungsweise Kredit dafür geben. Dafür gibt es:

  • Eigenes Erspartes
  • Pensionskassenvorbezüge
  • Teilzeitjobs
  • Familie – Freunde – Verrückte (auf Englisch family-fools-and-friends)

Bei Startupfinanzierungen gehts ums Geschäft nicht um einen Gefallen. Es geht darum, dass man eine Idee und dann die Firma (Organisation) und schlussendlich das Team dahinter unterstützt – mit dem Ziel, dass Sie innert 2 – 4 Jahren profitabel sind und sich das Investment auszahlt für den Geldgeber: entweder durch einen Verkauf der Beteiligung (Secondary) oder einen Gesamtverkauf der Firma (Trade Sale), einen Börsengang (IPO) oder was man sich alles ausmalen kann. Aber bleiben wir realistisch: 9 von 10 Startups scheitern und der Grund warum Venture Capitalisten und Businessangels mehrere Unternehmensbeteiligungen halten ist schlicht und ergreifend Risikominimierung und Ressourcen Allokation. Scheitert eines oder mehrere Startups, so hofft man doch, dass das eine welches überlebt, die Verluste wieder wett macht. Kurzum: Ihr Lohnausfall ist Ihr Risiko, für alles andere, sofern es einen Plan mit Aussicht auf Erfolg gibt, können Sie Finanzierungen beantragen. Sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.

Aber wer finanziert denn nun was?

Kommen wir zurück auf die Grundfrage und gehen wir anschliessend auf die Grundvoraussetzungen zurück. In der Schweiz gibt es zum Glück zahlreiche Möglichkeiten auf die man zurückgreifen kann. Aber beachten Sie: Alleine im Jahr 2013 wurden rund 40’000 Gründungen vollzogen (Quelle: Bisnode Studie). Nehmen wir an, dass nur 20% einen entsprechenden Kapitalbedarf beantragten, so sind das 8’000 Antragssteller im Jahr die sich auf eine sehr beschränkte Anzahl von möglichen Finanzierungsquellen legt (der Vergleich hinkt ich weiss, gehen doch einer Finanzierung oft 1 – 2 Jahre Kapitalsuche voraus, aber die Systematik ist dieselbe):

  • Banken (allen voran die AKB und die ZKB) für Projekte zwischen 50’000 bis 200’000 (aber keine Gründungen)
  • Stiftungen (vor allem für Projekte mit Social Impact wie die Avina Stiftung) bis max 100’000.-
  • Business Angels Netzwerke (wie BAS und Startangels) mit Tranchen von 10’000 bis 50’000.-
  • Venture Capital Firmen (wie zB Brains-To-Venture oder Red Alpine) mit Tranchen von 100’000 aufwärts und oft nur im Verbund
  • Startuppreise (eine Übersicht gibt es hier) in unterschiedlichen Grössen aber mit viel Bewerbern – hier gehts auch oft um die PR um den Preis herum
  • Direkt bei Investoren (eine Liste mit guter Übersicht gibts hier auf startup.ch)

Nehmen wir also an dass viele Investoren in einem Netzwerk oder einem Businessangel Club dabei sind, bleiben 5 potentielle Geldgeberquellen, die sich also rund 1600 Anträge pro Jahr aufteilen und sichten müssen (manche erhalten natürlich mehr, manche weniger, aber pro Tag 1 – 2 können es schon sein, bei Startuppreisen ist es konzentrierter). Diese rund 1 – 2 Anträge pro Tag zu sichten und zu beurteilen ist eine Mammutaufgabe und glauben Sie mir wenn ich sage: jede Idee ist unglaublich gut und hat das ultimative Potential und ist die Chance des Universums das nächste Facebook, Tesla oder Coca Cola zu werden und ein jedes Investment ist nach 2 Jahren vollständig amortisiert. Die Realität jedoch ist eine andere: die wenigsten Ideen sind durchdacht, oder haben einen Prototypen oder eine vertiefte Marktstudie hinter sich (Anmerkung in eigener Sache: auch meine eigenen Ideen sind oft an der Machbarkeit gescheitert).

Die Hockey-Stick Lüge

Als Hockey-Stick bezeichnet man Finanzpläne bzw deren Entwicklungen die erst wenig und dann raketenartig in den Himmel steigen (wie ein Hockeschläger also). Jedoch kann man aus eigener Erfahrung zeigen: neben Geduld als Gründer braucht es vor allem Zeit. Selbst ein E-Commerce Startup benötigt 2 Jahre für eine erste Etablierung, Technologieunternehmen brauchen etwas länger (ausser der Prototyp ist bereits ready) und auch Restaurants, selbständige Berater und andere Dienstleistungen brauchen 1 Jahr für die Orientierung und erste Kunden, 2 Jahre für eine positive Umsatzentwicklung und rentieren nach 3 bis 4 Jahren. Je nach dem in welchem Bereich Sie tätig sind: seien Sie kritisch und realistisch: der fehlende Umsatz oder die entsprechenden Re-Investitionen müssen eingerechnet sein, denken Sie an die 9:10 Regel bei Startups, den meisten geht das Geld unterwegs aus, selbst wenn die Idee hervorragend war. Ken Morse, Direktor des MIT Entrepreneurship Center hat es einst treffend formuliert: Cash Flow is more important than your mother (das Zitat hat es sogar zu einem Akronym geschafft: CFIMITYM).

Die „richtige“ Vorgehensweise

Sie haben es erraten: Eine ultimative Vorgehensweise gibt es nicht, aber man kann ein paar Fallstricke umgehen. Namentlich:

  1. Erstellen Sie eine saubere Marktanalyse ohne Hochrechnungen
  2. Schreiben Sie einen Businessplan und zeigen Sie das Problem auf welches sie lösen
  3. Schreiben Sie einen Aktionsplan aus diesem Businessplan in kleinen Schritten und wenn Sie haben: erste Erfolge daraus
  4. Präsentieren Sie ein Team – keine Einzelkämpfer. Denn skalieren können Sie nur im Verbund, nie alleine
  5. Entscheiden Sie sich für eine passende Rechtsform und denken Sie dort schon an mögliche Investoren (eine AG hilft hier enorm, ist aber vom Grundbedarf grösser)
  6. Tragen Sie Ihre Firma ins Handelsregister ein und arbeiten Sie an der Idee jeden Tag – das zeigt Investoren, dass Sie es ernst meinen
  7. Sorgen Sie aber entweder für genügend Backup Kapital durch Family-Fools-and-Friends oder sorgen Sie für passives Einkommen
  8. Lassen Sie sich beraten: von Startbiz, Ihrem Treuhänder oder Anwalt Ihre vertrauens
  9. Informieren Sie sich auf dem KMU Portal des Bundes: Jedes Jahr gründen rund 3’800 Unternehmerinnen und Unternehmer eine Firma über diese Plattform.

Wenn Sie am Berg stehen: Nummer 10: Lassen Sie sich nicht entmutigen, aller Anfang ist schwer – und Fragen kostet nichts. Ich helfe gerne weiter, aber seien Sie vorbereitet.

Eine gute Einsicht in die Vorgehensweise bietet übrigens Juliane von B-to-V in Interviewform auf Venturelab: Tipps von einer Investment Managerin

Und eine abschliessende neue Form ist übrigens Corporate Ventures: hierzulande namentlich durch IT- und Handelsunternehmen, sowie durch die SBB vertreten (Artikel im Wall Street Journal)

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Innovationen lanciert

Das iPhone5 ist nun lanciert, wer aber mehr auf Retro steht, hier eine Variante für die gute alte Polaroid Kamera (gegründet von ehemaligen Polaroid Mitarbeitern)

Und wenn wir schon bei Startups und Innovationen sind. Der Typ der einst Twitter erfunden hat, baut ein kleines Gerät, dass sich an jedes iPhone und iPad anschliessen lässt: SQUARE genannt, was daraus wird: eine vollständige Zahlungsstation dank NFC. Gut genug für Starbucks – ev auch gut genug für die Schweiz?